Historie

Seit 1838 bestehen in Nellingen Gesangvereine.
1868 wurde der festgebende Verein, die „Eintracht Nellingen“, gegründet.
Dr. phil. Hans-Günther Bauer hat zum 150-jährigen Jubiläum des Chorgesangs in Nellingen die Geschichte des Vereins für die Festschrift verfasst.

Die einzelnen Abschnitte sind folgendermaßen aufgeteilt:


Letzte Termine

09.07.2020

Neustart nach CORONA Pandemie

12.03.2020

Letzte Chorprobe vor CORONA Pandemie – Lockdown

30.01.2020

Chornachmittag beim LK Wernau – Stammchor

08.12.2019

Adventssingen in der Kath. Kirche in Nellingen

07.12.2019

Kinderchor singt auf dem Weihnachtsmarkt im Klosterhof

21.11.2019

Geburtstags- und Jubilarfeier im Eintrachtstüble – Stammchor

11.07.2019

Unterzeichnung Kooperationsvertrag mit Musikschule

29.06.2019

50 Jahre AON – Soiree-Konzert / AON + Chorjugend + Gem. Chor

26.05.2019

50 Jahre Frauenchor – Soiree-Konzert

27.01.2019

Konzert zum 20-jährigen Bestehen der Swingin’ Harmony

24.01.2019

Chornachmittag beim LK Wernau, FC + MC

16.12.2018

Weihnachtsmusical-Tante Frieda… mit dem Jugendchor

09.12.2018

Adventssingen in der Kath. Kirche Nellingen mit Chören von H. Stolle

08.12.2018

Kinderchor singt auf dem Weihnachtsmarkt im Klosterhof

02.12.2018

MC-OFI singt beim Gottesdienst für Menschen mit und ohne Demenz

22.11.2018

Jubilar- und Geburtstagsfeier im Eintrachtstüble

18.11.2018

Totengedenkfeier auf dem Friedhof – Gemischter Chor

27.10.2018

Singen bei Goldener Hochzeit

02.09.2018

Vereinsausflug nach Neuhausen o.E.

22.07.2018

Sulzfest der Cäcilia Wernau – FC + MC

08.07.2018

MC-OFI beim Gottesdienst im Bibelgarten

25.05.2018

Ausflug MC-OFI nach Rottweil

22.04.2018

Benefizkonzert für Poltawa mit Beteiligung SH

12.04.2018

Sängertreffen mit LK Wernau im kleinen Saal

27.01.2018

MC-OFI beim Abendlob in Renningen

23.01.2018

Sängerversammlung SH

11.01.2018

Sängerversammlung FC/MC im Stüble

20.12.2017

Abschluss mit Ehrungen beim FC/MC im Stüble mit Essen

19.12.2017

Abschluss mit Ehrungen bei der SH im Al Camino

09.12.2017

Nikolausparty des CVKP – Auftritt beim Weihnachtsmarkt des BDS

12.10.2017

Treffen mit Chören v. H. Stolle in Fellbach

23.07.2017

Sommerkonzert „Offenes Singen“ Jugend + SH

16.07.2017

Sulzfest Cäcilia Wernau FC + MC

07.04.2017

TVN Jugendkulturnacht mit Chorjugend

09.02.2017

Chornachmittag beim LK Wernau

21.01.2017

MC-OFI beim Abendlob in Renningen

17.12.2016

Weihnachtskonzert „In dulce Jubilo“ mit JC, SH, FC + MC und anschließendem Abschluß in der Villa Lucia

03.12.2016

Kinderchorparty des CVKP – Auftritt beim Weihnachtsmarkt des BDS

27.11.2016

Tierische Disco – Picconellis

13.11.2016

Singen bei Totengedenkfeier – GC

05.10.2016

Ausflug MC-OFI Gasometer Pforzheim (ROM 312)

01.10.2016

Vereinsausflug Wolpertshausen und Langenburg

23.07.2016

SH beim Benefizkonzert für Poltawa – Stadt OFI

09.07.2016

Jugendchor und MS-Bigband „Happy“

03.06.2016

Theaterbesuch beim LK Denkendorf – MC

12.05.2016

Liederabend im Eintrachtstüble

23.04.2016

Beidseits des Mondes – SH beim CVKP

11.02.2016

Chornachmittag beim LK Wernau (FC + MC)

20.12.2015

Jahresabschluss im Theatersaal

29.11.2015

Konzert SH + Jugend, mit Gästen aus Ulm

25.11.2015

Geburtstagsfeier MC 80er

22.11.2015

Singen bei Totengedenkfeier – GC

15.11.2015

Probentag SH

14.10.2015

Ausflug MC-OFI Wasseralfingen

18.07.2015

Chorsommerfest – Nellingen singt / FC + MC

11.07.2015

Probentag FC + MC in der Villa Lucia

01.07.2015

weitere Vorstellungen Musical + 03.07. + 05.07.

28.06.2015

Premiere Jugendchormusical – Paradise of pain

20.03.2015

Jugendkulturnacht des TVN mit dem Kinderchor

18.12.2014

Abschlussingstunde mit Ehrungen

07.12.2014

Adventskonzert in der Kath. Kirche, Deutsche Messe mit Hornbegleitung

23.11.2014

Totengedenkfeier auf dem Friedhof, zum 1. Mal mit gemischtem Chor.

18.10.2014

Vereinsausflug in die Pfalz, Ramberg und Landau.

20.07.2014

Jubiläumsfest der Stadt OFI – 25 Jahre an der Halle

12.07.2014

Popkonzert des Jugendchores Nellcanto

06.07.2014

Offenes Singen der SH – in der Markthalle;

10.05.2014

Auftritt des FC + MC beim Stiftungsfest des Sängerbundes in Plochingen;

21.03.2014

Jugendkulturnacht des TVN mit dem Jugenchor

22.12.2013

Jahresabschluss mit Ehrungen im Theatersaal

19.10.2013

Jubiläumskonzert im KuBinO – 175 Jahre Chorgesang in Nellingen

13.07.2013

Probenwochenende im Vereinsheim des SV Gablenberg

25.04.2013

Beteiligung bei Verbandschorwoche in Hochdorf, FC + MC

20.04.2013

Beteiligung beim Projekt des CVKP durch SH

14.04.2013

Matinée zum Jubiläum „175 Jahre Chorgesang in Nellingen“

03.03.2013

Sing- und Stimmbildungstag mit Uli Führe

16.12.2012

Jahresabschluss mit Ehrungen im Theatersaal

15.12.2012

Konzert im Advent – Männerchor Ostfildern in ev. Kirche in Ruit

03.10.2012

Ausflug Männerchor nach Bad Friedrichshall und Abstatt

19.08.2012

Ausflug Frauenchor ins Naturtheater Hayingen

07.07.2012

Jugendchor mit Musical „Kiss me Kate“, mehrere Aufführungen

24.06.2012

Benefizveranstaltung für Erdbebenopfer/-schäden in Mirandola, musiktreibende Vereine Ostfildern

28.04.2012–29.04.2012

Kinderchor beim Zirkusprojekt des Chorverbandes Karl-Pfaff

08.01.2012

Swingin’ Harmony beim Neujahrsempfang der Stadt

18.12.2011

Adventssingen Männerchor Ostfildern in ev. Kirche in Ruit

11.12.2011

Weihnachtskonzert in der kath. Kirche, anschließend Abschluss im kleinen Saal des KuBinO

30.10.2011

Konzert Swingin’ Harmony im Theatersaal „Hallo Wien“

23.07.2011

Vereinsausflug nach Dinkelsbühl

02.07.2011

Einweihung KuBinO mit „Lieder, die fast alle kennen“, Ostfilderner Chöre, Chor aus Japan

22.05.2011

Kindermusical „Maledix & Sribifax“

19.12.2010

Konzert des Männerchors Ostfildern in der ev. Kirche in Ruit

16.12.2010

Jahresausklang und Ehrungen bei letzter Chorprobe im Jahr

02.12.2010

1. Probe mit Rainer Stolle als neu gewähltem Chorleiter

30.10.2010

Swingin’ Harmony empfängt Chor aus Mirandola

22.10.2010

Sängerversammlung zur Wahl eines neuen Chorleiters

17.10.2010

Swingin’ beteiligt sich am Konzert der jungen Chöre in Denkendorf

16.10.2010

Ausfahrt zum Silchermuseum – 150. Todestag Silchers

04.09.2010

Ausflug nach Wiblingen und Ulm

25.07.2010

Letzter Einsatz Maria Fiedler als Chorleiterin bei Eintracht

13.05.2010–16.05.2010

Konzertfahrt Swingin’ Harmony nach Mirandola (Italien)

17.04.2010

Musical „Der kleine Horrorladen“ mit Jugendchor und Musikschule

11.04.2010

Benefiz-Matinée mit verschiedenen Vereinen Ostfilderns – Kinder in Haiti

17.01.2010

Sing- und Stimmbildungstag mit Uli Führe

20.12.2009

Weihnachtskonzert in der kath. Kirche mit allen Chorgattungen, Abschluss beim Ständerling

24.09.2009

Projektchor für Weihnachtsoratorium beginnt mit Proben

12.09.2009

Ausflug Männerchor zur Hornisgrinde und nach Seebach

11.07.2009

Ausflug Swingin’ Harmony nach Schwäbisch Hall

11.07.2009

Chorfest des Schwäbischen Chorverbandes in Heilbronn, „Future in Music“-Aufführung des Karl-Pfaff-Gaus mit Männerchor

04.07.2009

Serenadenkonzert mit Akkordeonorchester zum 40. Jubiläum (Akkordeon und Frauenchor 40 Jahre)

19.06.2009

Abschiedskonzert Liederkranz Parksiedlung – Auflösung des Vereins mit Männerchor

23.05.2009

Ausflug Frauenchor nach Ötigheim

22.03.2009

Jubiläumsmatinée 40 Jahre Frauenchor

21.12.2008

Jahresschlussfeier im Theatersaal

15.11.2008

Konzert zum 10-jährigen Bestehen der Swingin’ Harmony mit Concert-Band der Musikschule

03.10.2008–05.10.2008

Chorwochenende Swingin’ Harmony auf der Kapfenburg

20.09.2008

Ausflug Sauschwänzlesbahn und Reichenau

10.07.2008

Mitwirkung beim Konzert in Reichenbach innerhalb der Gauchortage

28.06.2008

Jubiläumskonzert 25 Jahre Kinderchor „Sing mit uns“ mit Gästen aus Ulm-Lehr

18.04.2008

Aufnahmen für CD-Produktion – Musik aus Ostfildern

12.04.2008

Jubiläumsabend 40 Jahre Liederkranz Parksiedlung mit Männerchor

16.12.2007

Konzert in kath. Kirche „Weihnachtsklänge“, anschließender Abschluss im Gemeindesaal

11.11.2007

Musical „Gespenst von Canterville“ mit Kinder- und Jugendchor

30.09.2007

Männerchorprojekt des Karl-Pfaff-Gaus: „Future in Music“ Aufführung in Großbettlingen, 30 Jahre Männerchor im Karl-Pfaff-Gau

14.07.2007–15.07.2007

Klosterhofhocketse des Vereinsrings Nellingen

07.07.2007

Ausflug Swingin’ Harmony nach Bad Wimpfen

16.06.2007

Benefizveranstaltung zugunsten Verein Altenhilfe

18.05.2007

Kinderchor mit Singspiel „Frederick“

17.12.2006

Jahresabschlussfeier im Theatersaal

18.11.2006

Konzert Swingin’ Harmony und Kinderchor: „Sing and Swing“ mit Concert-Band der Musikschule

21.09.2006

Einstieg Maria Fiedler als Chorleiterin

29.07.2006

Vereinsausflug nach Heidenheim zur Landesgartenschau

27.07.2006

Verabschiedung Chorleiter Wolfgang Glock in der Singstunde

18.12.2005

Jahresabschluss im Theatersaal mit dem Neugereuter Theäterle e.V.

11.12.2005

Singen in der ev. Kirche – Musik im Advent

04.12.2005–17.12.2005

Kinderchor „Die Herdmanns kommen“ – mehrere Aufführungen

11.11.2005

Konzert „Sing and Swing“ Swingin’ Harmony mit Musikschule und Jugendchor

17.09.2005

Vereinsausflug nach Nördlingen

23.07.2005–24.07.2005

Ausflug Männerchor nach Haigerseelbach mit Konzert

15.07.2005

Ausflug Swingin’ Harmony nach Tübingen

02.07.2005–03.07.2005

Kinderchorkonzert mit Lehrer Lerchen aus Ulm

25.06.2005–26.06.2005

Backhäuslesfest mit Hilfe durch Gesangverein

23.04.2005

10 Jahre Chorleiter Wolfgang Glock – Konzert in der Stadthalle unter anderem mit „My fair Lady“

13.02.2005

Benefizkonzert der Ostfilderner Gesangvereine „Gemeinsam gegen die Flutnot“

12.12.2004

Konzert in der Stadthalle mit Filderharmonie

26.06.2004–27.06.2004

Klosterhofhocketse des Vereinsrings Nellingen

21.07.2004

Ausflug Frauenchor zur Aufführung „My fair Lady“ in Ötigheim

19.06.2004

Ausflug Swingin’ Harmony nach Besigheim/Hessigheim

29.04.2004

Konzert in der Stadthalle im Rahmen der Gauchorwoche des Karl-Pfaff-Gaus

21.12.2003

Jahresschlussfeier im Theatersaal

18.09.2003

Außerordentliche Mitgliederversammlung zur neuen Satzung

19.07.2003–20.07.2003

Ausflug in die Fränkische Schweiz und nach Kulmbach

12.07.2003

Konzert in der Stadthalle „Filmmelodien“

28.06.2003–29.06.2003

Backhäuslesfest mit Hilfe durch Gesangverein

11.05.2003

Kinderchor mit der Musikschule „Strandgut – oder die kleine Meerjungfrau“

01.01.2003

Beginn Jugendchor

22.12.2002

Weihnachtssingen in der Kath. Kirche mit Filderharmonie

17.10.2002

Konzert Swingin’ Harmony mit Kinderchor und Musikschule

21.07.2002

Tag des Liedes auf der Landesgartenschau in Ostfildern

20.07.2002

Mit dem Musikverein Nusplingen auf der Landesgartenschau

12.07.2002

Konzert auf der SWR4-Bühne der Landesgartenschau „Filmmelodien“ mit Chören der Eintracht

31.05.2002

Konzert auf der SWR4-Bühne der Landesgartenschau mit Gästen aus Haigerseelbach

23.05.2002

Öffentliche Chorprobe auf der Landesgartenschau

26.04.2002

Eröffnung Landesgartenschau in Ostfildern

23.12.2001

Jahresabschlussfeier in der Stadthalle mit Vortrag von Ernst Waldemar Bauer

18.11.2001

Konzert in der Stadthalle „Romantisches in Vergangenheit und Gegenwart“ mit Waldhornquartett

10.11.2001

Benefizkonzert mit Reinach vom Männerchor Ostfildern

15.09.2001

Vereinsausflug nach Straßburg

19.05.2001

Ausflug Frauenchor nach Baden-Baden

17.12.2000

Adventssingen in der ev. Kirche, anschließend Abschluss im Gemeindehaus

09.10.2000–10.10.2000

Stadtfest mit Einweihung des Stadtbahnanschlusses (Linie U7)

08.10.2000

Ostfilderntag auf der Landesgartenschau Singen mit Fahnenübergabe

15.07.2000

Folklorenacht an der Halle innerhalb der Gauchortage des Karl-Pfaff-Gaus

01.06.2000–04.06.2000

Vereinsausflug nach Dresden

19.12.1999

Jahresabschlussfeier in der Stadthalle

27.11.1999

Mitwirkung beim Herbstkonzert des Musikvereins in Nusplingen, 25 Jahre Freundschaft

10.11.1999

10 Jahre „an der Halle“, Konzert der Musikschule mit dem Kinderchor und Swingin’ Harmony

08.10.1999–10.10.1999

Männerchorausflug nach Haigerseelbach mit Konzert

25.09.1999

Ausflug Männerchor-Ostfildern zur Landesgartenschau nach Weil am Rhein

17.07.1999–20.07.1999

Ausflug Frauenchor nach Verona

24.06.1999–27.06.1999

Beteiligung am Chorfest in Ulm – 150 Jahre Schwäbischer Sängerbund – Karl-Pfaff-Gau-Konzert

09.05.1999

Festumzug zum Feuerwehrjubiläum, Thema „Wir sind Feuer und Flamme“

20.12.1998

Weihnachtssingen in kath. Kirche mit Trompetengruppe der Musikschule, Ausklang im Gemeindesaal

22.09.1998

Start des neuen Chores „Swingin’ Harmony“

12.09.1998–13.09.1998

Stadtfest in Nellingen

18.07.1998

Vereinsausflug auf die Blumeninsel Mainau

11.07.1998

Kinderchor mit Musical „Der Spielplatz“ auf der Landesgartenschau Plochingen – mit anderen Chören des Karl-Pfaff-Gaus

27.06.1998–28.06.1998

100 Jahre Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Nellingen – Fest „an der Halle“

21.06.1998

Tag des Liedes auf der Landesgartenschau in Plochingen, Chöre des Karl-Pfaff-Gaus

19.04.1998

Konzert in der Stadthalle „Das Lied von der Glocke“ mit Sinfonietta Tübingen

21.12.1997

Weihnachtsfeier in der Stadthalle

17.10.1997–19.10.1997

Besuch vom Männerchor Haigerseelbach, Kameradschaftsabend im Theatersaal

05.10.1997

Kinderchoraufführung des Musicals „Der große Bankraub“

01.05.1997

1. Maitreff Ostfilderner Gesangvereine mit Musikverein Nusplingen

24.04.1997–27.04.1997

Ausflug Frauenchor nach Prag

07.02.1997–09.02.1997

Chorwochenende in Ochsenhausen

01.01.1997

Hilde Scheerer beginnt Leitung im Kinderchor

22.12.1996

Weihnachtliches Singen in der ev. Kirche und Abschluss im Gemeindehaus

21.09.1996

Ausflug in den Schwäbischen Barockwinkel, Landkreis Günzburg

20.07.1996

Verabschiedung H.-G. Bauer Chorleitung Kinderchor

06.07.1996

Serenadenabend „Liebe, Wein und Wandern“ mit Gästen aus Ihringen

11.05.1996

Ausflug Männerchor-Ostfildern an den Bodensee, Besuch Oberbürgermeister Koch in Reha

07.10.1995

Konzert im Rahmen der Gauchorwoche in der Stadthalle

17.06.1995

Ausflug nach Freiburg und Weinfest in Ihringen

18.12.1994

Weihnachtssingen in der kath. Kirche, Mitwirkung einer Gruppe der Musikschule

29.10.1994–30.10.1994

Ausflug Männerchor nach Halle an der Saale

02.10.1994

Konzert in der Stadthalle

10.09.1994–11.09.1994

Stadtfest in Nellingen

08.09.1994

Dr. phil. Hans-Günther Bauer übernimmt Leitung des Kinderchores

01.09.1994

Beginn Männerchor Ostfildern

25.08.1994

Erste Chorprobe mit neuem Chorleiter Wolfgang Glock

11.05.1994–16.05.1994

Ausflug nach Pécs (Ungarn) mit Konzert in Basilika, Reiterspiele in der Puszta und Budapest

17.04.1994

Kinderchor mit „Knasterbax und Siebenschütz“ zusammen mit Chören des Karl-Pfaff-Gaus mehrfach aufgeführt

16.04.1994

25 Jahre Frauenchor

19.12.1993

Weihnachtsfeier in der Stadthalle

06.11.1993–07.11.1993

Ausflug nach Waldrach und Trier mit Liederabend in Waldrach

11.09.1993

Serenadenabend „Südliche Nächte“

20.12.1992

Weihnachtssingen in der ev. Kirche

31.10.1992

Folklorekonzert in der Stadthalle mit Gästen aus Mohács (Ungarn) und russischen Musikern

13.06.1992

Serenadenabend „Der Wein erfreut des Menschen Herz“ mit Gästen aus Waldrach im Ruwertal

22.12.1991

Weihnachtsfeier in der Stadthalle

19.10.1991–20.10.1991

Ausflug Männerchor in die südliche Rhön, Schlachtschüsselessen in Elfershausen

07.09.1991

Ausflug Frauenchor zum Alpengarten in Pforzheim

15.06.1991

Serenadenabend „Wald und Jägerei“

23.12.1990

Weihnachtsfeier in neu renovierter Stadthalle

16.12.1990

Konzert in der kath. Kirche, Mitwirkung Erich-Kästner-Schule

22.09.1990

Ausflug Männerchor nach Bad Friedrichshall ins Salzbergwerk

29.06.1990

Serenadenabend „Operettenmelodien“

23.06.1990

Vereinsausflug nach Heidelberg

07.09.1990–09.09.1990

Stadtfest in Nellingen

31.03.1990

Mitwirkung bei einem Konzert des Männergesangverein Urbanus Lauffen

11.02.1990

Kinderchor präsentiert Märchenoper „Der Kalif Storch“

15.12.1989

Silcherkonzert im Theatersaal

07.12.1989–10.12.1989

Einweihung „an der Halle“, Beginn mit Eintrachtstüble und Proben im Kleinen Saal

13.10.1989

Jubiläumsfeier 20 Jahre Frauenchor

25.05.1989–27.05.1989

Berlinfahrt des Frauenchores

06.04.1989

Peter Lauterbach übernimmt Kinderchor, kein Jugendchor mehr

12.01.1989

Proben im Herzog Karl wegen Umbau Stadthalle

04.12.1988

Adventskonzert in der ev. Kirche

09.10.1988

Kinder- und Jugendkonzert

03.06.1988–06.06.1988

Jubiläumswochenende mit Festzelt

23.04.1988

Festkonzert in der Festhalle zum Jubiläum „150 Jahre Chorgesang in Nellingen“

04.12.1976

Adventsfeier mit Kindern in der Stadthalle, Aufführung „Max & Moritz“

06.11.1976

Operetten-Konzert in der Stadthalle Nellingen

02.10.1976

Kameradschaftsabend mit Jubilarehrungen + Filderquartett

28.08.1976

Sommerfest mit Alphornbläsern aus Nusplingen

27.06.1976

Jubiläum 125 Jahre MGV Neuhausen

20.06.1976

Jubiläum 25 Jahre Stuttgarter Chorvereinigung-Ellwangen

18.06.1976

Stadterhebungsfeier in Nellingen

30.05.1976

Tag des Liedes beim LK Parksiedlung

01.05.1976

Maiwanderung mit Abschluss an der Turnhalle Ludwig-Jahn-Straße

01.04.1976

70. Geburtstag MD Lorenz Lauterbach

28.02.1976

Faschingsveranstaltung gem. mit TVN

31.12.1975

Silvesterball in der Festhalle gem. mit TVN

14.12.1975

Adventssingen in der Ev. Kirche mit Orgel + Posaunenchor

07.12.1975

Adventsfeier mit Kindern – Aufführung Froschkönig

08.11.1975

Vereinsausflug nach Nusplingen

11.10.1975

Kameradschaftsabend in der Festhalle

05.10.1975

Jubiläum 125 Jahre LK Kemnat

16.06.1975

Jubiläum 100 Jahre LK Oberensingen

01.05.1975

Frühspaziergang zum CVJM-Plätzle

12.04.1975

Frühjahrsunterhaltung mit MV Nusplingen + Alphornbläser

08.02.1975

Faschingsveranstaltung gem. mit TVN

31.12.1974

Silvesterball in der Festhalle gem. mit TVN

15.12.1974

Singen im Altersheim in Esslingen

08.12.1974

Weihnachtsfeier mit Aufführung Hänsel & Gretel

30.11.1974

Chorkonzert in der Festhalle (Schubert + Mendelssohn)

19.10.1974

Jubiläum 75 Jahre Neckarlust Esslingen

12.10.1974

Kameradschaftsabend in der Festhalle

17.09.1974

40 Jahre Chorleiter K.H. Mäder in Denkendorf

17.08.1974

Ferienausfahrt nach Donnstetten

07.07.1974

Jubiläum 110 Jahre Eintracht Köngen

04.05.1974

Konzert / Deutsch-Amerikanische Freundschaftswoche

01.05.1974

Frühspaziergang mit Abschluss Turnhalle Friedrichstraße

09.02.1974

Fasching in der Festhalle gem. mit TVN

31.12.1973

Silvesterball in der Festhalle gem. mit TVN

16.12.1973

Adventssingen in der Kath. Kirche mit Posaunenchor

09.12.1973

Adventsfeier mit Krippenspiel

13.10.1973

Kameradschaftsabend in der Festhalle

14.07.1973

Sommerserenade gemeinsam mit AON

24.06.1973

Sängerfest in Schanbach

12.05.1973

Konzert der Chorgemeinschaft Lauterbach (25 Jahre Chorleiter)

01.05.1973

Schnitzeljagd mit Kindern

03.03.1973

Faschingsveranstaltung gemeinsam mit TVN

15.02.1973

Kappenabend in der Festhalle

31.12.1972

Silvesterball in der Festhalle, gemeinsam mit TVN

17.12.1972

Wiederholung Opern- und Operettenkonzert

03.12.1972

Adventssingen mit dem Posaunenchor, Ev. Kirche

04.11.1972

Treffen der Chorgemeinschaft Lauterbach, Festhalle Nellingen

14.10.1972

Kameradschaftsabend im Herzog-Karl

23.09.1972

Sängerausflug nach Hohenems, Besuch der Insel Mainau


Feldblumen

Nellingen anno 1838: ein Pfarrdorf im Oberamtsbezirk Esslingen. Im Volkszählungsjahr 1811 wurden knapp 800 Einwohner gezählt, die in 118 Wohnhäusern lebten. Man lebte eng zusammen, auch Stallungen und Scheunen wurden oft von zwei Familien gemeinschaftlich benützt. Aber die Gemeinde war nicht arm. Im Jahre 1811 gab es 164 Bürger und „Beisitzer“ – das sind selbstständige Bauern – und 43 Handwerker. Auf den unteren Sprossen der sozialen Leiter waren weniger Leute zu finden: 61 Ackerleute und 60 Taglöhner. Die Oberamtsbeschreibung von Esslingen aus dem Jahr 1845 kommt zu dem Schluss, dass sich in Nellingen „in Vergleichung mit anderen Nachbarorten höhere Wohlhabenheit findet, die sich auch in den moralischen Eigenschaften der Einwohner, in ihrem Ehrgefühl und Sinn für Ordnung und Schicklichkeit nicht verleugnet.“

Die Würdigung der Nellinger in der Oberamtsbeschreibung kommt nicht von ungefähr. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ist es in der Gemeinde beständig aufwärts gegangen. In Folge der Französischen Revolution wurden nach und nach verschiedene feudale Lasten, die die Bauern zu tragen hatten, abgeschafft. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden zuerst der „Vogts-Roggen und -Kernen“, dann die Teilgebühren der drei- und vierteiligen Hofäcker, zuletzt die besonders hohen jährlichen Gülten an Geld und Früchten abgelöst. Die Namen der alten Steuern sagen uns heute wenig. Aber es ist einleuchtend, dass das Lebensgefühl der Nellinger Bauern mit jeder abgelösten Feudallast gestiegen ist, bis zu guter Letzt der jahrhundertelange Traum mit dem Ablösegesetz vom 17. Juni 1849 wahr wurde, mit dem die Bauern freie Grundbesitzer geworden sind. Man verstand es auch, die einmaligen hohen Ablösesummen der Steuern durch geschickte Grundstücksverkäufe erträglich zu halten. In diese Zeit des Aufschwungs fiel die Gründung des Gesangvereins „Liederkranz Nellingen“.

Man muss sich darüber wundern, dass Bauern und Handwerker, die zu Wohlstand gekommen sind, den Wunsch hegen, miteinander ausgerechnet zu singen. Man vergegenwärtige sich nur, wie das „Wirtschaftswunder“ nach dem 2. Weltkrieg den Gesang fast zu ersticken drohte. Zudem galten die Schwaben als ein nicht gerade musikbegeistertes Volk. Der alte Spruch „Suevia non cantat“ – Schwaben singt nicht – weist nicht zuletzt darauf hin, dass das Schwabenland zwar die bedeutendsten Dichter und Denker, aber nicht einen Komponisten vergleichbaren Rangs hervorgebracht hat.

Nach den napoleonischen Kriegen durchflutete eine Welle nationaler Begeisterung die deutschen Lande. Burschenschaften und Turnerbünde entstanden. Auch die Bürger der ehemaligen Reichsstädte Süddeutschlands hoben die Einheit Deutschlands auf ihr Schild. Sie fühlten sich durch die Staatsreform doppelt betrogen. Einerseits waren sie der politischen, rechtlichen und damit auch kulturellen Eigenständigkeit beraubt, andererseits war ihnen das wirtschaftliche und ideelle Betätigungsfeld innerhalb eines Territorialgebietes zu eng und zu willkürlich. Zugleich waren die reichsstädtischen Bürger liberaler als die Burschenschaften, und das in der Romantik neuentdeckte Geschichtsbewusstsein fiel bei ihnen auf ein natürliches Selbstverständnis. Im gemeinsam gesungenen Volkslied konnten und wollten diese Bürger ihrem Ideal nach Einigkeit und Recht und Freiheit Ausdruck verleihen und für ihre Gesinnung geschlossen und legal eintreten. Ins Jahr 1817 reichen die Anfänge des Musikvereins Schwäbisch Hall zurück, offenbar des ältesten Gesangvereins im neuwürttembergischen Raum. Ein Jahr später folgte der Singkranz der alten Reichsstadt Heilbronn, nach sieben Jahren der Liederkranz Ulm (1825), im Jahr 1827 schließlich wurden die Liederkränze in Esslingen, Ravensburg und Reutlingen gegründet. Als großes Ereignis wurde die feierliche Handlung der letzten noch existierenden mittelalterlichen Meistersingerzunft gefeiert, die dem jungen Liederkranz Ulm die Tradition in die Hände gelegt hatte.

Die oft besungene „Macht des Gesangs“ war nicht nur ein formelhaftes Lob an die Musik, sondern beinhaltete den Willen der jungen Sängerbewegung, mit Gesang die deutschen Stämme und Stände zusammenzuschweißen. Die ab 1827 jährlich stattfindenden Liederfeste vereinigten die sich rasch vermehrenden Liederkränze zu einer Stimme. Schon beim zweiten Liederfest 1828 in Esslingen war der Sängerchor 500 Personen stark. Ein zeitgenössischer Chronist berichtete: „Zu Ross und zu Fuß, in Kutschen und auf Wagen waren Zuhörer herbeigeströmt. Esslingen glich heute einer großen, stark bevölkerten Stadt, und als nach zehn Uhr die neue Kirche geöffnet wurde, welche zuerst der Zug der Sänger betrat, so waren ihre Hallen bald voll, und von außen umwogte noch eine große Zahl von Zuhörern das überfüllte Lokal.“

Sehr wahrscheinlich waren aus dem benachbarten Nellingen Zuhörer, wenn nicht gar Mitwirkende auf diesem Liederfest in Esslingen. Denn wenn beim allgemeinen Liederfest 1841 in Ludwigsburg bereits die stattliche Anzahl von 25 Nellinger Sängern mitwirkten, kann man auf eine längere Tradition schließen.

In jenen Jahren, von 1797 bis 1837, wirkte in Nellingen als Schulmeister Christian Gottlieb Kieß, der die politische und ideelle Seite der Sängerbewegung unterstützte und auch in Nellingen voranzutreiben suchte. Sicherlich hatte er Kontakt zu dem Esslinger Konrektor Karl Pfaff, der als Organisator und Propagandist der Liederfeste und Mitbegründer des Schwäbischen Sängerbundes bald „Sängervater“ genannt wurde. Jedenfalls gab der Nellinger Schulmeister Kieß dem erstmals 1817 eingerichteten „Gemeinde-Deputiertenrat“ in Nellingen als Ratsschreiber ein Motto auf den Weg, das in Stil und Aussagen eine enge geistige Nähe zu Karl Pfaff verrät. An Aktualität hat es nichts eingebüßt.

„Wer alles tadelnd, Zwietracht nur erreget
Getrieben selbst von blinder Leidenschaft
Der Gegner Gründe prüfend nie erwäget
Nur Schlimmes überall zusammenrafft
Und jeden frech mit schnöder Schmach beleget
Der nicht nach seinem Sinne denkt und schafft
Den will das Volk zum Sprecher nicht und Freunde
Er schadet mehr als die erklärten Feinde.
Doch wer das Volk, von edlem Trieb entflammet
Den rechten Weg zu seiner Wohlfahrt lehrt
Die anders denken nicht mit Stolz verdammet
Des Rechtes und der Weisheit Stimme hört
Das Gute schätzt, woher es immer kommet
Und Menschenwürde selbst im Feinde ehrt
Den wird das Volk den wahren Volksfreund nennen
Und leicht an seinen Werken ihn erkennen.“

Kieß brachte die Sängeridee mit Erfolg nach Nellingen. Zunächst wird er auf Skepsis gestoßen sein. Die ehemals reichsstädtischen Bürger hatten die Sängersache zu ihrer Sache gemacht. Das Dorf Nellingen lebte aber durchaus nicht immer harmonisch mit der großen Reichsstadt Esslingen zusammen. Die Auseinandersetzungen waren im Städtekrieg 1449 sogar kriegerischer Natur. Esslinger und Ulmer steckten damals Dorf und Propstei Nellingen in Brand. Und in der Zeit des Sängeraufschwungs gingen immer mehr alte Rechte Nellingens an das Oberamt – nach Esslingen. So kann nicht davon gesprochen werden, dass die Gründung eines der ältesten, wenn nicht überhaupt des ältesten Gesangvereins auf ländlichem Boden ein Ableger der großen bestehenden Liederkränze gewesen war. Die Nellinger griffen auf eigene Wurzeln zurück. Denn schließlich konnte auch Nellingen auf eine eigene vergleichsweise glanzvolle mittelalterliche Geschichte zurückblicken. Nellingen war Sitz einer Propstei, die sämtliche in der Umgebung Nellingens liegenden Güter des Klosters St. Blasien verwaltete. Der Propst ernannte und beaufsichtigte die Pfarrer in Nellingen, Ruit, Scharnhausen, Heumaden und Plochingen. Ihm zur Seite war von der Grafschaft Württemberg ein Vogt zur Wahrnehmung der weltlichen Geschäfte über das Gebiet gestellt. Auch die Vogtei befand sich in Nellingen. Wohlhabenheit und Geschichtsbewusstsein stellte die Nellinger Bürger zwar nicht auf gleiche, aber auf vergleichbare Stufe mit den Esslingern.

Die Besonderheit der Gründung eines Gesangvereins im ländlichen Raum war der Sängerbewegung bewusst. Karl Pfaff selbst hat es sich nicht nehmen lassen, ein Festgedicht zur Fahnenweihe des „Liederkranzes“ zu schicken. Die Nellinger waren sich der Ehre bewusst. Das Gedicht wurde – sicherlich mit großem Pathos – auf dem Festplatz vorgetragen. Sogar die von Pfaff gegründete, mittlerweile aber nicht mehr von ihm geleitete Zeitung in Esslingen, der „Anzeiger – Amts- und Intelligenzblatt für das Oberamt Esslingen“, hat das Gedicht in seiner Nummer 60/1840 in voller Länge abgedruckt. Pfaff rückt in seinem Festgedicht die Symbole der Nellinger Fahne in den Mittelpunkt: Früchte und Ackergerät. Die Früchte grenzt er gegenüber den goldenen Fürstenkronen, das Ackergerät gegenüber den Kriegswaffen ab. Pointiert begreift Pfaff die Nellinger Sänger als Boten einer landständischen, pazifistischen, sangesfrohen, einigen Republik. Sein friedensstiftender Aufruf wird nicht ungehört verhallt sein. Zu sehr hatte die Gemeinde erst in jüngerer Zeit unter fürstlichen Heeren zu leiden gehabt. So lagen im Jahr 1796 Österreicher in Nellingen, welche später von Franzosen abgelöst wurden, 1799 längere Zeit kurpfälzische Truppen, die im Brachfeld exerzierten und eine Reitschule anlegten. Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts waren wiederholt, manchmal über längere Zeit hinweg französische Truppen in Nellingen, die immer wieder die Einwohner drangsalierten und ausplünderten. Im Jahre 1813 wurden russische Kosaken auf dem Durchmarsch hier einquartiert. Erst in den zwanziger Jahren konnte sich Nellingen von den Folgen der französischen Revolutions- und nachfolgenden napoleonischen Kriegen erholen.

Trotz all der günstigen Voraussetzungen für die außergewöhnliche Gründung eines Gesangvereins auf dem Land gab es doch auch „Vorurteile“ und „Hindernisse“, denen sich der junge Verein ausgesetzt sah. Der Esslinger „Anzeiger“, der davon berichtet, ruft die Nellinger Sänger auf, sich davon nicht abschrecken zu lassen: „Schreitet rüstig auf der Bahn, die ihr betreten!“ Zur Verteidigung der Sänger führt der Chronist ein zunächst eigentümlich klingendes Argument an: „Hört ihr in euren Gassen noch wie früher unsittliche Lieder, nein, sie sind durch solche, die den Menschen sowohl durch ihren Text als ihre Melodie zum Edlen und Guten wenden, verdrängt worden.“ Die Sänger werden mit den Idealen der bürgerlichen Tugend geschmückt. Doch irgendwer musste ja aus den „rohen Gesellen“ sittliche Bürger gemacht haben.

Schulmeister Kieß hat sicher dazu beigetragen. Größeren Einfluss auf die Nellinger hatte der Pfarrer Karl Hölder, der etwa zeitgleich mit Kieß von 1823 bis 1834 in Nellingen wirkte. Hölder war maßgebendes Mitglied der aus dem Pietismus erwachsenen Hahnschen Gemeinschaft und brachte die darniederliegende kirchliche Gemeinde zu neuem Leben. Sein Einfluss auf die Gemeinde war so groß, dass fortan alle Sonntagsarbeit eingestellt wurde, keine Sichel mehr am Sonntag gedengelt, keine Sense mehr geschärft wurde. Man verzichtete nun sogar auf den Kirchweihtanz und die Tanzhochzeiten. Es gibt Berichte von auffallenden Heilungen auf sein ernstliches Gebet hin. Als Hölder nach zehnjährigem Wirken in Nellingen seine Abschiedspredigt hielt, war der auch sonst starke Andrang so groß, das man rings auf dem damals die Kirche umgebenden Friedhof Bänke aufstellen musste. Es wird kaum einer aus dem Dorf gefehlt haben. Hölder benutzte nach einem Bericht „jede Gelegenheit, den junge Leuten mit edler Unterhaltung und Gesang Freude zu machen und durch Ausleihen guter Bücher und durch persönliche Mitteilungen ihre Teilnahme zu erwecken für die Vorgänge in Land und Welt“. Ganz zweifellos war der Pfarrer, der aufgrund der Ereignisse der französischen Julirevolution 1830 die „Evangelische Gesellschaft“ gründete, an der Gründung des Nellinger Gesangvereins nicht beteiligt. Dessen politische Haltung hat er schwerlich billigen können. Gleichwohl ist das Zeugnis des Esslinger „Anzeigers“, dass die jungen Sänger sich um guten und sittlichen Gesang bemüht haben, nicht ohne das Wirken Hölders zu denken.

Wann genau wurde der Gesangverein „Liederkranz Nellingen“ gegründet? Von der über 70-jährigen Geschichte des Vereins besitzen wir nicht mehr als zwei überlieferte Quellen. Die eine ist der erwähnte Bericht über die Fahnenweihe des Vereins 1840 im Esslinger „Anzeiger“. Dort heißt es: „Der Verein verdankt sein Entstehen den vielen angestrengten Bemühungen des nun verstorbenen Schulmeisters Kies, und gedieh besonders seit längerer Zeit bis zum Tode dieses würdigen Lehrers, gegenwärtig entbehren aber die Nellinger Sänger nicht nur diese Stütze und Hilfe, sondern sie genießen nicht einmal einen Unterricht, und sind gezwungen, sich mit der größten Mühe selbst fortzuhelfen.“

Die andere Quelle ist die „Chronik des festgebenden Verein zum 27. Gausängerfest des Filder-Sänger-Bundes am 5. Juli 1908 in Nellingen a. F. verbunden mit 40-jährigem Stiftungsfest des Gesangvereins ‚Eintracht Nellingen‘“. Bei diesem Fest lebten noch vier Männer des „Liederkranzes“, die sich entschlossen hatten, ihre Fahnen und Bücher dem Verein „Eintracht“ als Andenken zu übergeben und sich zum letzten Mal an einem Sängerfest zu beteiligen. Auf ihre Erinnerung geht folgende Gründungsgeschichte zurück:
„Schon in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, als sich in den größeren Städten Württembergs Gesangvereine bildeten, fanden sich in Nellingen Freunde des Männergesanges zusammen und gründeten im Jahre 1838 den „Liederkranz“. Es wird wohl einer der ältesten Landvereine Württembergs sein und auch seine Fahne … dürfte zu den ältesten zählen. Ein musikbegabter Schäfer, Jakob Hartmann, dirigierte den Verein, lernte die Lieder durch Vorspielen auf einer Klarinette.“

Das Gründungsjahr des Vereins basiert auf dem zweiten Bericht. Nach dem ersten wäre der Verein bereits einige Jahre vorher gegründet worden. Die Gründungsgeschichten widersprechen sich jedoch nur scheinbar. Wir haben uns den ältesten Verein als einen losen Kreis gleichgesinnter Männer um den Schulmeister Kieß vorzustellen. Ganz sicher waren diese Männer 80 Jahre später nicht mehr am Leben, und die vier noch lebenden Vereinsmitglieder sind wahrscheinlich nach 1854 dem Verein beigetreten. Im September 1837 starb Christian Gottlieb Kieß im Alter von 63 Jahren. Er hatte sich über die Grenzen Nellingens hinaus einen Namen gemacht. Sein Ableben ist selbst in der „Schwäbischen Chronik“ der renommierten Landeszeitung „Schwäbischer Merkur“ in Stuttgart vermerkt. Vermutlich haben die Männer um Kieß erst nach dessen Tod, nun auf sich selbst gestellt, dem Verein Konturen gegeben: ein Statut verabschiedet, die zwei Jahre später abgehaltene Fahnenweihe beschlossen, Kassen- und Protokollbücher angelegt, u. a. m. Jakob Hartmanns Verdienst war sicherlich, den jungen Verein zusammengehalten zu haben. Auf ihn soll auch das einzig erhaltene Stimmenbuch auf jener Zeit zurückgehen. Es ist für einen 2. Tenor geschrieben; man hat also schon damals mindestens dreistimmig miteinander gesungen.

Am Schluss seines Berichtes ruft der „Anzeiger“ den Sängern zu: „Haltet fest am Guten, lasst euch durch keine in den Weg gelegte Hindernisse abschrecken, schreitet rüstig weiter auf der Bahn, die ihr betreten, ihr seid zwar Feldblumen, aber um so angenehmere Blumen im großen Liederkranze.“

Germania

Bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts lebte der überwiegende Teil der Nellinger Bevölkerung ausschließlich von der Landwirtschaft. Deshalb traf sie die Krise um die Jahrhundertmitte äußerst hart. Sie wurde durch vier Jahre der Missernten 1849 bis 1853 ausgelöst. 1854 stand die Ernte schön, da vernichtete ein furchtbarer Hagelschlag kurz vor der Ernte alle Hoffnungen. Die Bauern waren gerade frei geworden, aber noch lange nicht schuldenfrei. Für die Ablösung der letzten feudalen Steuern hatten sie in Jahresraten von 2302 fl. noch bis zum Jahre 1873 36056 fl. zu zahlen.

Die Folge der Missernten war eine schreckliche Armut in Nellingen. Durch verschiedene Hilfsmaßnahmen suchte der Gemeinderat die schlimmste Not zu lindern. Den Arbeitslosen wurde Flachs und Hanf zum Spinnen den Winter über aus öffentlicher Kasse abgegeben. Damit „der Kinderbettel gänzlich aufhöre“, wurde 1855 allen Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren täglich ein halbes Pfund Brot auf Gemeindekosten ausgeteilt. Aber auch Geldzahlungen, unentgeltliches Wohnrecht im Armenhaus nutzten letztlich nichts. 200 Nellinger – etwa ein Fünftel der Einwohnerschaft – suchten ihr Heil in der Auswanderung. Die meisten zogen nach Nordamerika, manche aber auch nach Südamerika, besonders nach Peru und Chile. Einer Familie, die nach Australien auswanderte, zahlte der Gemeinderat sogar die Überfahrtkosten in Höhe von 500 fl. mit der Begründung, dass sie die Gemeinde schon „einige“ 100 fl. gekostet hätte.

Zum Singen „in froher Runde“ wird den Männern im „Liederkranz“ in den Notjahren nur selten zumute gewesen sein. Wahrscheinlich sind nur die vier 1908 noch lebenden Männer als junge Sänger dem Verein beigetreten, als der spätere Schultheiß Paul Philipp Mauz 1854 den „Liederkranz“ übernommen hatte, nachdem er in seine Heimatgemeinde versetzt worden war. Noch einmal ging man 1857 zum Sängerfest nach Kirchheim. Doch dann erlahmte das Interesse an den Aktivitäten des Sängerbundes. Der „Liederkranz“ wandte sich der Kirche zu. Ob diese erstaunliche Wendung aus den bitteren Erfahrungen der Notjahre gespeist, ob sie durch die aktive, auf Pfarrer Hölder zurückgehende Hahnsche Gemeinschaft in Nellingen unter dem tüchtigen Vorstand Gottlieb Mauz beeinflusst war, wissen wir nicht. Jedenfalls vereinigten sich die Männer des „Liederkranzes“ zunehmend mit Frauen aus der Gemeinde zum vierstimmigen Kirchengesang. Ein eigenständiger Kirchenchor ist in Nellingen erst im Jahre 1921 gegründet worden.

Zu den wirtschaftlichen Nöten traten politische Sorgen. Der wenig berechenbare französische „Bürgerkaiser“ Napoleon III. brauchte zur inneren Stabilisierung äußere Erfolge, pochte auf französische Hegemonie in Mitteleuropa und stellte Gebietsansprüche auf die bayerische Pfalz und das linksrheinische Hessen. Wieder drohte der Krieg mit Frankreich. Im Jahre 1863 wurde in Nellingen ein „Wehrverein“ gebildet, der 40 Gewehre von der Stadt Esslingen zu seinen Übungen erhielt. Doch gab man diese Art der Volksbewaffnung bald wieder auf. Zugleich aber erfasste eine neue Welle nationaler Begeisterung, die an die Zeit der antinapoleonischen Befreiungskriege nach 1807 anzuknüpfen suchte, auch die Nellinger Bürger. Mitte der sechziger Jahre wollten nun etliche junge Männer dem schon dreißig Jahre bestehenden, auf die Anfänge der Sängerbewegung zurückgehenden Gesangverein „Liederkranz“ beitreten. Dieser lehnte die Aufnahme mit der zunächst eigenartig klingenden Begründung ab, dass alt und jung nicht zusammenpassten. Doch bei näherer Betrachtung ist die Ablehnung der „Alten“ – wie sie nun genannt wurden – nicht gar so unverständlich. Der „Liederkranz“ bestand in den sechziger Jahren aus höchstens 18 Sängern. Mindestens die gleiche Anzahl junger Männer begehrten den Eintritt. Sie hätten, so befürchteten die Alten sicher nicht zu Unrecht, den Verein völlig umgekrempelt.

Doch der „Liederkranz“ hat den jungen Gesangverein, der sich den beziehungsreichen Namen „Eintracht“ gab, nicht als Konkurrenz verstanden. Beim Festzug zur Fahnenweihe 1873 marschierte der alte Verein einträchtig neben dem neuen hinter der „Musik“, dem Festkomitee, den Festdamen und vor weiteren 28 Gesangvereinen mit insgesamt über 1200 Sängern durch die Straßen, deren Häuser mit Fahnen, Kränzen und Girlanden geschmückt waren. Die Begrüßung der Festgäste hielt Theodor Boley, wohl der damalige Vorstand des „Liederkranzes“, „in seinem bekannten Humor“, wie das „Esslinger Wochenblatt“ berichtete. Vor allem zeigte der spätere Bürgermeister und Dirigent des „Liederkranzes“, Paul Philipp Mauz, Integrationsfähigkeit, indem er nach erfolglosem Start des Lehrers Zluhan schon kurze Zeit nach Gründung im Jahre 1868 die musikalische Leitung auch der „Eintracht“ übernahm. Lehrer Mauz trug bei der Fahnenweihe im „Bärengarten“ ein Festgedicht vor, das der Gesinnung des neuen Vereins entsprochen hat:

„Mit Lust und freudiger Begier
Entrollen nun die Fahne wir,
Damit hier sehe alle Welt,
Was uns sofort zusammenhält.
Sie schwing sich uns zum Hochgenuss,
Den Stiftern hier zum Dankesgruß.

Sieh’ – jedermann durchzuckt es schnell,
Und manches Auge blitzet hell:
Germania, Germania –
Die Siegeshelden sieht man da.
Sie soll von heut an dem Verein
Ein Symbol stets der ‚Eintracht‘ sein.

Wie hier der Lorbeer – weich und glatt
Sich bindet mit dem Eichenblatt,
So soll in unserem Verein
Kein Unterschied des Standes sein,
Ja, wie hier oben Hand um Hand,
Umschlinge ihn der ‚Eintracht‘ Band.

Ob manche Stimm auch widerspricht,
Wir lassen von der Fahne nicht;
Bei Festlichkeiten geh’ fortan
Germaniens Panier voran,
Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
Der bleibt ein Narr sein Leben lang.

So lang ein Tropfen Blut noch glüht,
Noch durch die Brust ein Atem zieht,
Und man noch hört der Kehle Klang,
Soll schallen unser Hochgesang.
Gott und dem deutschen Vaterland
Sind unsre Lieder zugewandt!

So sei die Fahne denn geweiht
Als Symbol unsrer Einigkeit,
Sie flattere noch hoch im Wind,
Wenn wir einst alle nicht mehr sind.
Ja nach Jahrhunderten soll noch
Die ‚Eintracht‘ leben dreimal hoch!“

Die alten Sängerideale, die Karl Pfaff einst beschworen hatte, klingen im Gedicht noch durch. Doch dem Früchtekorb auf der alten Fahne sind Eichenlaub und Lorbeer gewichen. Nicht die Ackerleute, sondern die „Siegeshelden“ wurden nun besungen. Ein kriegerischer, ja, auftrumpfender Ton durchzieht den neuen Verein zwei Jahre nach Gründung des deutschen Kaiserreichs.

Doch nach dem gewaltigen Auftakt wurde es auch um die „Eintracht“ recht still. Im Jahre 1897 trat der Verein aus dem Schwäbischen Sängerbund, dem er wohl gleich nach der Gründung beigetreten war, aus. In den achtziger Jahren verfügte die „Eintracht“ nur noch über zwölf Mitglieder, die kaum öffentlich auftraten. Nur im Winter wurden Singstunden abgehalten und in der übrigen Jahreszeit nur bei besonderen Anlässen. Drei Jahre lang – von 1893 bis 1896 – konnte der Verein unter der neuen Leitung des schwungvollen und humorvollen Lehrers Hornung die Sängerzahl wieder auf 25 verdoppeln. Die Aufwärtsentwicklung stagnierte jedoch wieder bei dessen Nachfolger.

Doch auch die mit der Sängersache in Nellingen am Ende des 19. Jahrhunderts unzufriedenen Nellinger Bürger hatten mit weiteren Vereinsgründungen keinen Erfolg. Anfang der siebziger Jahre wurde ein weiterer Gesangverein mit dem Namen „Frohsinn“ gegründet, der sich aber ebenso schnell auflöste wie der 1871 gegründete Militärverein, der auch eine Gesangsabteilung hatte.

Volksgesang

Im ganzen Deutschen Reich verlor die Landwirtschaft an Bedeutung. Ihre Beitrag zum Sozialprodukt halbierte sich zwischen 1850 und 1913, sank von 46 auf 23 Prozent. Auch in Nellingen stellte man bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts fest, dass die landwirtschaftliche Aufgabe zu einer Sache zweiter Ordnung geworden ist. Hauptberuf wurde mehr und mehr die Arbeit in den Esslinger Fabriken. Schon 1832 war Esslingen die am meisten industrialisierte Stadt im Königreich Württemberg. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Esslingen in einer ganzen Reihe von Branchen führend im mittleren Neckarraum. Die Stadt erfreute sich schnell eines zum Teil überraschend großen Zuzuges von Arbeitern, nicht nur aus dem süddeutschen Raum, sondern auch aus Schlesien, Sachsen usw. Um die Jahrhundertmitte kam kaum einer aus Nellingen. So, als ob eine Industrie gar nicht im Entstehen wäre, interessierten sich die Nellinger Bauern zunächst einmal für die Rechte und Möglichkeiten, die ihnen aus der Bauernbefreiung erwachsen waren. Die ersten Männer, die in den Jahren 1880 bis 1890 in der Esslinger Industrie zusätzlichen Verdienst suchten, waren Nellinger Kleinstlandwirte. Angesehen waren diese „Fabrikler“ nicht. Auch die Esslinger Arbeiter, die sich nun in Nellingen ansiedelten, waren wenig geachtet. Nellingen hatte am Ende des 19. Jahrhunderts fast doppelt so viele Einwohner wie an dessen Anfang. Es war eine „Arbeiterwohngemeinde“ entstanden. Zugleich hat um die Jahrhundertwende das Industriezeitalter auch in Nellingen Einzug gehalten. Die Kanalisation ist teilweise in den Jahren 1897/98 ausgeführt worden. Vollendet wurde sie im Jahr 1904/05. In den Jahren 1900/01 wurde die Gemeinde mit elektrischem Licht versorgt. In den folgenden Jahren verdrängte die Dreschmaschine das jahrhundertelange Dreschen mit dem Flegel. Im Jahre 1893 werden in Nellingen Telefon und Telegraf eingeführt. Im Jahre 1902 plante man eine Bahnlinie von Stuttgart über Sillenbuch und Ruit nach Nellingen.

Viele Neu-Nellinger suchten um die Jahrhundertwende durch ihren Beitritt zum Gesangverein sozialen Anschluss an die Alt-Nellinger. Im Jahre 1897 zählte die „Eintracht“ 21 Mitglieder, sechs Jahre darauf, im Jahre 1903, konnte sie sich auf 77 Mitglieder fast vervierfachen. Nachdem der Verein 21 Jahre keinem Dachverband mehr angehört hatte und kaum öffentlich aufgetreten war, trat er im Jahre 1900 dem Filder-Sängerbund bei und besuchte schon im folgenden Jahr erstmals wieder ein Sängerfest – das Gaufest 1901 in Bonlanden. Im selben Jahr wechselte der langjährige Vorstand. Auch der Vereinsausschuss wurde neu gebildet. Es wurde beschlossen, Protokolle von Sitzungen und besonderen Ereignissen des Vereinslebens anzufertigen. Die Protokollbücher sind von dieser Zeit bis heute lückenlos erhalten. Nach langen Diskussionen entschloss sich der Verein, beim Gaufest in Denkendorf 1902 am Wettgesang teilzunehmen, und zwar in der Stufe „Erschwerter höherer Volksgesang“.

Als sich die „Eintracht Nellingen“ am Preissingen zu beteiligen begann, war diese Einrichtung schon ein halbes Jahrhundert alt. Sogleich mit der Gründung des Schwäbischen Sängerbundes wurde es eingeführt, „um einen Wetteifer behufs Erziehung besserer Gesangsleistungen in Stadt und Land anzuregen“, wie es in der Wettbewerbsordnung von 1850 heißt. Mittlerweile war der Preisgesang durchaus nicht unumstritten und hatte prominente Kritiker. In einem Brief an den Pfälzischen Sängerbund stellte der Esslinger Fabrikant Oskar Merkel, Präsident des Schwäbischen Sängerbundes, im Jahre 1897 fest: „Die nicht mit Preisen bedachten Vereine suchten in den allermeisten Fällen die Schuld nicht bei sich selbst, sondern bei dem Bundesausschuss, Preisgericht und den geltenden Bestimmungen. Die Unzufriedenheit wird auch erregt durch Sängerschmuggel verschiedener Art bei einzelnen Vereinen, durch die Spannung bei der Preisverteilung. Sie geht nicht selten in Schimpfereien und recht ärgerlichen Auftritten aus, und sie bewirkt in den Fällen, wo mehrere Vereine desselben Orts mit ungleichem Erfolg preissingen, einen Grad der Eifersucht und Gehässigkeit, der die Sangesbruderschaft gänzlich aufhebt.“

Wiederholte Versuche, das Preissingen abzuschaffen, scheiterten an den Vereinen selbst. Auch die „Eintracht“ führte ihren Aufschwung zuallererst auf ihre erfolgreichen Beteiligungen an den Preissingen zurück. Fast jährlich beteiligte man sich nun an den Liederfesten, nachdem man bereits beim ersten in Denkendorf einen „Ia-Preis“ holen konnte. Auch beim Gauliederfest in Bernhausen 1904, ausgezogen mit einer neuen Fahne, kam die „Eintracht“ mit einem 1. Preis nach Hause und wurde von den „Alten“ des „Liederkranzes“ mit deren alter Fahne abgeholt. Bei der Siegesfeier wurde eine Sängerkasse neben der allgemeinen Vereinskasse gegründet. Auch diese Einrichtung bekundet das neue Selbstbewusstsein der Sänger gegenüber dem Gesamtverein. Obwohl die Aufgaben zwischen Vereins- und Sängerkasse nie sehr scharf getrennt waren, bestand die Sängerkasse über 70 Jahre lang und wurde erst 1975 mit der Vereinskasse zusammengelegt.

Die Gauliederfeste bildeten in der Folgezeit den Höhepunkt jedes Jahresprogramms. 1905 führte der Weg nach Wolfschlugen, 1906 nach Möhringen, 1907 nach Sillenbuch. Im gleichen Jahr beteilige sich der Verein, der 1904 wieder dem Schwäbischen Sängerbund beigetreten war, erstmals nach fast 40 Jahren wieder an einem Liederfest des Bundes, das in jenem Jahr in Schwäbisch Gmünd abgehalten wurde. Das größte Ereignis für den Verein wurde das 27. Gauliederfest im Jahre 1908, das die „Eintracht“ selbst ausrichtete und mit ihrem 40-jährigen Vereinsjubiläum verband.

Die Begeisterung und die Erfolge auf den Sängerfesten machen einen Strukturwandel im Verein deutlich: Der „Liederkranz“ und die „Eintracht“ vor der Jahrhundertwende waren politisch motivierte Zusammenschlüsse, der „Liederkranz“ auf nationalliberaler, die „Eintracht“ auf deutschnationaler Grundlage. Man traf sich, weil man gleicher Gesinnung war, die sich nicht zuletzt, aber auch nicht zuerst im Gesang äußerte. Fast über Nacht rückte nun der Gesang in den Mittelpunkt des Vereinslebens, und zwar als Wettgesang. Im Zuge der Industrialisierung Nellingens ergreift die Sänger industrielles Denken: sachbezogener Fleiß und Innovationsbereitschaft, die sich jedoch nur im Wettbewerb bewähren können. Der ungewollt schnelle Dirigentenwechsel im Verein in derselben Zeit zeigt, dass nicht etwa ein besonders befähigter Chorleiter den Wandel verursacht hat. Die Sänger selbst haben sich verändert. Um die neuen Ziele auch erreichen zu können, akzeptierten, ja, brauchten die Sänger aber auch einen strafferen Probenstil der Dirigenten. Die Festschrift von 1908 erzählt: „Viele Schwierigkeiten waren zu überwinden, bis alle Sänger sich den für den Wettgesang notwendigen Eifer angeeignet hatten; unser junger energischer Lehrer verließ sogar einmal die Singstunde wegen schlechten Besuchs, und erst durch Versprechen vollzähligen Erscheinens in Zukunft kam er in der nächsten Singstunde wieder: Das wirkte. Mit verdoppeltem Eifer wurde nun gearbeitet.“

Auch im Ort selbst entfaltete der Verein neue Aktivitäten. Seit 1904 führte der Verein jährlich eine Weihnachtsfeier durch. Auf das Jahr 1906 geht die Tradition des Jahresausflugs zurück. Im Jahre 1908 hielt man ein „Herbstkränzchen“ ab, das trotz guten Erfolgs einmalig geblieben ist. Zu den sängerischen Erfolgen trat der wirtschaftliche: Neben den gestiegenen Einnahmen durch die steigenden Sängerzahlen brachten vor allem die Weihnachtsfeiern Geld in die Kassen. Während der Verein im Jahre 1899 130,26 RM eingenommen hatte, beliefen sich die Einnahmen für 1903 bereits auf 763,77 RM, wobei 216,13 RM allein durch die Weihnachtsfeier eingenommen wurde. Innerhalb von nur vier Jahren hatte sich der Umsatz fast versechsfacht, um dann in etwa bei diesem Stand bis 1911 zu verbleiben.

Die Bürger konnten mit den Arbeitern im Verein zunächst gut zusammenleben, zumal die Arbeiter gute und junge Sänger stellten. Mit dem Wettgesang waren die Arbeitersänger zwar nicht einverstanden, aber freuten sich doch über die Erfolge „ihres“ Vereins. Das änderte sich erst, als im Jahre 1908 der Deutsche und 1910 der Württembergische Arbeitersängerbund gegründet wurde. Nun ging es um die Bundeszugehörigkeit des Vereins. Die Generalversammlung im Januar 1911 beschloss nach langer und stürmischer Debatte den Austritt auf dem Schwäbischen Sängerbund, dem der Verein erst 14 Jahre später, im Jahre 1925, wieder beitreten sollte. In derselben Generalversammlung wurde einer der erstaunlichsten Beschlüsse in der Vereinsgeschichte gefasst – deren Für und Wider man sich lebhaft ausmalen kann –, die Bestimmung nämlich, „Chöre, welche dem Denken und Fühlen der Arbeiter entsprechen, einzulernen“. Diese Bestimmung schlägt sich auch in dem einen Monat später beschlossenen Statut nieder: „Soweit es der Gesang bei Beerdigungen, Hochzeiten usw. notwendig macht, werden auch kirchliche Chöre erlernt; auch werden auf Verlangen zur Mitwirkung an Vereinsfestlichkeiten anderer Vereine Turner-, Arbeiter- und Freiheitslieder eingeübt.“

Trotz aller Vermittlungsversuche spaltete sich der Verein bei der Diskussion um das Statut, „denn die Minorität wollte sich den von der Majorität gefassten Abänderungen nicht fügen“, wie es – ohne die umstrittenen Punkte zu nennen – im Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung heißt. 18 Sänger verließen unmittelbar darauf den Verein und gründeten zusammen mit etwa 65 Nellinger Arbeitern, die bisher der „Eintracht“ nicht angehört hatten, den Gesangverein „Freiheit“. Mit ihnen trennte sich der seit 1903 die „Eintracht“ dirigierende Ludwig Neff. Mit dem immerhin 60 Mann starken, wenn auch sicher recht ungeschulten Chor besuchte der Dirigent noch im selben Jahr das Landessängerfest des Württembergischen Arbeitersängerbundes in Esslingen. Wie hitzig die Trennung vonstatten ging, zeigt ein kleiner, ins Protokollbuch der „Eintracht“ eingeklebter Zettel hinter dem Bericht der Statutdiskussionen: Infolge Austritts von 18 Mitgliedern aus dem Verein, worunter auch Kassier Th(omas) Mengeu, wurde vom Ausschuss die Büchsen und das Geld abgenommen und vom Ausschuss dem Sängerkassier Gottl(ob) Aichele bis zur Neuwahl übergeben. Thomas Mengeu war Feilenhauer in der Feilenfabrik Dick in Esslingen. Sicher ein aktiver Arbeiter, trat er 1903 sogleich nach seinem Umzug nach Nellingen der „Eintracht“ bei und wurde bereits 1908 zum Kassier gewählt. Er wurde der 1. Vorsitzende des neuen Vereins. Gottlob Aichele, Zementeur, war drei Jahre jünger als Mengeu. Auch er trat 1903, im frühestmöglichen Alter von 20 Jahren, der „Eintracht“ bei. Er stammte aus einer der ältesten Familien Nellingens. Ein Konrad Aichelin ist bereits im Jahre 1572 genannt.

Bürger und Arbeiter hatten sich getrennt, jedoch nicht unversöhnlich. Die Bürger konnten sich der modernen Arbeitswelt nicht verschließen, und die Arbeiter verbürgerlichten. So nimmt es nicht wunder, dass die inzwischen mit dem Turnverein zusammengeschlossene „Eintracht“ und der Arbeitergesangverein „Freiheit“ den „Burgfrieden“ 1914 willig annahmen und ein gemeinsames Konzert zugunsten der ausmarschierten Soldaten veranstalteten, das unter der Leitung von Ludwig Neff in der Kirche durchgeführt wurde. Der Zusammenschluss beider Vereine nach dem Krieg zum „Turn- und Sängerbund Eintracht“ war dann nur noch eine Formsache.

Die organisatorische Einheit sollte jedoch nicht lange währen. Von den Turnern schied man eher aus taktischen Gründen. Das Protokollbuch der „Eintracht“, das mit dem Sylvesterfest 1912 endet, fährt auf der übernächsten Seite im Herbst 1921 fort: „Indem seit dem Zusammenschluss der Vereine Turner- und Sängerbund ‚Eintracht‘, ‚Freiheit‘ und Freie Turn- und Spielvereinigung, nach gutem Zusammenarbeiten am Anfang, die Sängerzahl ganz bedeutend zurück gegangen ist und alle bisherigen Unternehmungen nichts gefruchtet haben, kam der Sängerausschuss und viele Sänger zu dem Entschluss, dass es nur besser sein könnte, wenn die Sängerabteilung für sich allein einen Verein bilden würde und dadurch das Band enger geschlossen wäre, dass nur in dieser Hinsicht der Gesang einer Gesundung entgegengehen könne.“

In der Tat wuchs die wiedergegründete „Eintracht“, die dem Arbeitersängerbund beigetreten war, bald wieder auf über 100 Mitglieder. Aber „Eintracht“ konnten die Sänger auch dieses Mal nicht wahren. Als die Generalversammlung im Januar 1924 mit 67 gegen 46 Stimmen beschloss, aus dem Arbeitersängerbund wieder auszutreten, wurde ein neuer Arbeitergesangverein mit dem Namen „Freiheit“ ins Leben gerufen. Auch in ihm sammelten sich über 100 Sänger.

Während die Spaltung im Jahre 1911 sich im sozialen Gegensatz zwischen Alt- und Neu-Nellingern, zwischen Bürgern und Arbeitern, begründete, dokumentiert die neue Spaltung die politische Zerrissenheit jener Zeit, die sich quer durch die Nellinger Familien zog. So blieben etwa der erwähnte Arbeiter Thomas Mengeu, inzwischen zum 2. Vorstand der „Eintracht“ gewählt, und Ludwig Neff, der allerdings nach der Spaltung sein Dirigentenamt niederlegte, dem alten Verein treu. Auf der anderen Seite findet man in der neuen „Freiheit“ eine Reihe von Namen des Dorfpatriziats. Wie weit sich die Ablehnung der „Weimarer Republik“ von rechts wie von links in den Nellinger Vereinen niedergeschlagen hat, ist nicht überliefert. Jedenfalls weist die Gründung einer Ortsgruppe der KPD im Jahre 1923 darauf hin, dass es in jenen Krisenjahren zu erbitterteren Auseinandersetzungen gekommen ist, als das behäbige Bild vom Dorf es glauben macht. Doch so sehr es im Inneren der Vereine gebrodelt haben mag, nach außen bemühten sich beide Vereine um strikte Bewahrung der Sängertradition. Auch die „Freiheit“ nahm an Liederfesten teil, reiste sogar mit einer Abordnung 1928 zum 1. Bundessängerfest nach Hannover mit anschließendem Sängerausflug nach Helgoland. Unter dem engagierten Dirigenten Karl Dupper fand sogar ein Konzert mit Orchesterbegleitung statt. Wie die „Eintracht“ hielt auch die „Freiheit“ Weihnachtsfeiern ab und beteiligte sich an öffentlichen Veranstaltungen der Gemeinde. In unmittelbarem Interesse der Arbeiter lag die neue Straßenbahnlinie. Dass ihre Einweihung 1926 entsprechend gefeiert wurde, liegt nahe. Aber der Arbeitergesangverein beteiligte sich auch an Gefallenengedenkfeiern, deren unverhohlen „soldatischer Ton“ den Sängern schwerlich hat gefallen können.

Am deutlichsten tritt die Traditionspflege des Arbeitergesangvereins in ihrer Fahnenweihe zutage. Der ehemalige Vorstand der „Freiheit“ und nachmalige Ehrenmitglied der „Eintracht“, Paul Mauz, erinnerte sich anlässlich des Jubiläums 1963: „Bald wurde unter den Sängern der Wunsch nach einer Fahne laut, und es wurde beschlossen, eine solche bei der Fahnenfabrik Karl Neff in Biberach a. d. R. zu bestellen und im nächsten Jahr Fahnenweihe zu halten. Die Fahne wurde aus bestem Material hergestellt zum Preis von RM 750,– … Am 7. Juni 1925 beging der Verein das Fest der Fahnenweihe, welches bei gutem Wetter einen schönen Verlauf nahm. Das Festbankett fand am 6. Juni in der Turnhalle des Turnerbundes statt und fand mit dem Singspiel: ‚Das deutsche Volkslied‘ einen guten Abschluss. Am Sonntag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Straßen der Gemeinde zum Festplatz an der Denkendorfer Straße. Nach einem Begrüßungschor folgte die Begrüßungsansprache des Vorstandes. Herr Schultheiß Schuhmacher überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Gemeinde. Mitglied, Landtagsabgeordneter Gottlieb Metzger hielt die Festrede. Er schilderte die Entstehungsursache des Arbeitersängerbundes. Anschließend erfolgte die Weihe der Fahne. Diese wurde von Frl. Emma Koch im Gewand der Freiheitsgöttin feierlich überreicht. Von den Festdamen wurde eine Schleife gestiftet und während des Vortrages eines Prologes an die Fahne geheftet. Nach Dankesworten des Vorstandes fand die Weihe mit dem Weihelied: ‚Frisch Brüder, lasst die Fahne wehen‘ ihren Abschluss. Anwesend waren zehn Gastvereine, die alle mit einem Chor das Fest mit verschönerten.“

Die Fahnenweihe war eine genaue Kopie der Fahnenweihe der „Eintracht“ im Jahre 1903. Für den heutigen Betrachter ist verblüffend, wie selbst die Sängerbilder beider Fahnenweihen bis ins Detail hinein sich gleichen. Beide sind an der gleichen Stelle vor dem Gasthaus zur Germania aufgenommen. In beiden Bildern ist die jeweilige Fahne im Mittelpunkt, davor die Vorstandschaft an einem kleinen Tisch. Beidesmal reihen sich links und rechts davon je sechs weißbekleidete Festdamen. Sogar ihre Schärpen sind in gleicher Richtung gelegt. Hinter ihnen die Sänger, in beiden Bildern gleich gruppiert. Nur die vier Bäume im Hintergrund sind in den 22 dazwischenliegenden Jahren gewachsen.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde bald der „Deutsche Arbeitersängerbund“ verboten. In diesem Zusammenhang wurden alle Arbeitergesangvereine, auch die „Freiheit“ in Nellingen, aufgelöst. Aus einer Akte des Oberamts Esslingen geht hervor, wie rigoros man bei der Vereinsliquidation vorgegangen ist: Im März 1934 erfasste der damit beauftragte Bezirksnotar Heyd die Einrichtungsgegenstände des Vereins und veranschlagte ihren Wert auf 40,50 RM, da diese Gegenstände gegen Bezahlung „dem nationalen Gesangverein Eintracht‘“ übergeben werden sollten. Bereits am 10. 4. 1934 hatte Heyd dem Oberamt „einen Pack Noten“ vorgelegt, „die anlässlich der nationalen Erhebung gegen marxistische und andere staatsfeindlich eingestellte Verbände“ bei der „Freiheit“ in Nellingen beschlagnahmt worden waren. Die große Arbeit einer detaillierten Verzeichnung, so Heyd, habe er sich erspart, weil „die von mir und außerdem von einem sachverständigen Gesangsdirigenten durchgesehenen Noten als Makulatur durchaus der Vernichtung anheimfallen dürften“. Bis 1988 hat man geglaubt, dass die Noten der „Freiheit“ tatsächlich vernichtet wurden, da die „Eintracht“ neben den Liquidationskosten in Höhe von 6,50 RM nur eine weitere Summe von 20,50 RM „für übernommene Einrichtungsgegenstände“ an das Oberamt abgeführt hatte. In Wirklichkeit aber fanden sich in einem Stapel alter Noten der „Eintracht“ auch der gesamte Notenbestand der „Freiheit“ in neutralen Umschlägen versteckt. Wie sie vom Bezirksnotariat wieder zurück nach Nellingen gekommen sind, wird sich wohl nicht mehr klären lassen. Jedenfalls besitzt Nellingen damit einen der wenigen erhaltenen Notenbestände eines Arbeitergesangvereins.

Die noch heute gut erhaltene Vereinsfahne der „Freiheit“ trug auf der Vorderseite auf rotem Grund in der Mitte eine goldbestickte Harfe und als Inschrift „Gesangverein Freiheit – 1924 Nellingen a. F. 1925 –“ und auf der Rückseite auf grünem Grund „Wo rein der Sang u. wahr das Wort, da ist des freien Sängers Hort“. Sie bereitete bezüglich ihrer Wiederverwendung einige Probleme. Bezirksnotar Heyd schlug vor, die Worte „Freiheit“ und „freien“ sowie die Jahreszahlen „1924“ und „1925“, ferner die lodernde Fackel, die eine Jungfrau in der rechten Hand hochgehalten hat, zu entfernen und ihr dafür einen Eichenkranz o. ä. in die Hand zu sticken sowie anstelle des Wortes „Freiheit“ das Wort „Eintracht“ und anstelle des Wortes „freien“ das Wort „treuen“ o. ä. zu setzen, denn dann „könnte“, wie er ausführte, „die Fahne weiter passieren“. Heyd erbat weitere Weisungen vom Oberamt Esslingen. Dieses setzte sich in dieser Sache mit dem Politischen Landespolizeiamt Stuttgart in Verbindung. Der „Führer des Gesangvereins ‚Eintracht‘“ wurde im Juli 1934 von der Vermögensübergabe und den notwendigen Veränderungen an der Fahne auf eigene Kosten in Kenntnis gesetzt, woraufhin der Verein erfolgreich um kostenlose Überlassung der Fahne bat, weil die Umänderung sich auf etwa 60 RM belief. Ein Barbetrag von 119,50 RM, der sich aus den Kosten für die „Eintracht“ und der Vereinskasse der „Freiheit“ ergab, wurde schließlich der Wirtschaftsabteilung der Württembergischen Politischen Polizei im Innenministerium überwiesen.

Die Sänger der „Freiheit“ hatten noch mit gewissen Hoffnungen eine Delegation im Juli 1933 ins Rathaus geschickt. Doch von einem gleichberechtigten „Zusammenschluss beider Vereine“, wie die offizielle Tagesordnung hieß, konnte nicht die Rede sein. Die Forderungen der „Freiheit“: „1. Abänderung des Vereinsnamens auf Sängervereinigung Eintracht. 2. Aufnahme von 2 Mitgliedern in den Ausschuss. 3. Restlose Übernahme ihrer sämtlichen Mitglieder“ wurden sämtlich verworfen. Die Delegation der „Freiheit“ fügte sich. Im folgenden Monat traten 63 Mitglieder der „Freiheit“ in die „Eintracht“ ein. Der Grabgesang für einen verstorbenen Sänger, der unter Aufsicht abgehalten wurde, war der letzte Auftritt des Arbeitergesangvereins.

Feierkonzert

Parodien von Gesangvereinsproben gehören seit der umwerfenden Einstudierung der Huldigungshymne durch den Saardamer Bürgermeister in Lortzings „Zar und Zimmermann“ (1837) zum beliebten Repertoire von Komödie und Kabarett. Meist verlaufen sie nach dem Muster: Strenger, ja, sturer, aber weltfremd-linkischer Chormeister scheitert an einem behäbigen, nicht übermäßig musikalischen Haufen, der mehr Wein und Weib als Gesang im Sinn hat. Das parodistische Zerrbild wird auf der einen Seite genährt durch die Tatsache, dass zumeist der Dorfschullehrer Dirigent des örtlichen Gesangvereins gerwesen ist, der die Männer, die er oft schon seit ihrem Kindesalter ab kannte, nicht viel anders als in der Schulstube behandelte. Auch in der „Eintracht“ waren von ihrer Gründung bis zum Ende des 2. Weltkrieges alle 13 Dirigenten Lehrer, darunter nicht weniger als zehn Schullehrer. Die restlichen drei Dirigenten waren Musiklehrer, die häufig auch Vereine der Nachbargemeinden leiteten. So lässt sich die Tätigkeit Ludwig Neffs, der der „Eintracht“ schon vor der Jahrhunderwende als Sänger beigetreten war und diese bzw. die „Freiheit“ zwanzig Jahre lang von 1903 bis 1923 leitete, auch als Dirigent in Scharnhausen, Denkendorf und Berkheim nachweisen. Der Nachfolger Neffs beim Liederkranz-Eintracht Denkendorf, der ehemalige Gauchormeister Karl Hermann Mäder, der den Denkendorfer Verein 54 Jahre leitete, war 1938 und 1939 Dirigent der „Eintracht“ Nellingen. Musiklehrer Walter Knapp schließlich leitete gleichzeitig neben der „Eintracht“ die „Vulkania“ Esslingen und nach dem 2. Weltkrieg die „Concordia“ Wäldenbronn.

Leicht hatten es die Dirigenten nicht. Ihre Singstunden mussten sie in schlecht beheizten, verrauchten Probelokalen bei geringem Entgeld abhalten. Lehrer Zimmermann erhielt im Jahr 1902 eine Honorarerhöhung von bislang 1,– RM auf 1,50 RM pro Singstunde. Aber der Verein hatte selbst nicht viel Geld zu verteilen. So musste auch der Wunsch nach einem eigenen Klavier jahrzehntelang verschoben werden. Erst mitten in der Inflationszeit konnte ein Tafelklavier für 4 Millionen Mark erworben werden. Es wurde in dem 1908 eingeweihten Schulhaus auf dem Klosterhof aufgestellt, wo nun auch die Singstunden abgehalten wurden. Zwischen dem neugegründeten Kirchenchor, der Schule und dem Verein sollte es in der Folgezeit zu häufigeren Auseinandersetzungen wegen dieses Instruments kommen. Deshalb beschloss man anlässlich der Einweihung des „Saalbau Herzog Karl“ im Jahre 1930 – erst jetzt waren nach der Schließung der alten „Germania“ im Jahre 1924 wieder öffentliche Auftritte in Nellingen möglich –, einen Flügel zu beschaffen, was dann 1933 verwirklicht wurde.

Auf der anderen Seite war auch den Sängern nicht immer nach Singen zumute. Über eine Generation lang belasteten wirtschaftliche Not, Arbeitslosigkeit, Arbeitsdienst und Kriegsdienst den Verein. Seit 1925, als die ersten Sänger ihre Arbeit verloren, wurde den arbeitslosen ebenso wie vorher schon den kranken Sängern der Vereinsbeitrag erlassen. Zu ihren Gunsten wurden Wohltätigkeitsveranstaltungen – 1932 zusammen mit dem Turnverein – durchgeführt. Nach dem 2. Weltkrieg unterstützte man die hinterbliebenen Familien der gefallenen Sängerkameraden.

Singen war in jenen Jahren eine der wenigen Möglichkeiten, der Not wenigstens für einige Stungen zu entfliehen. Noch heute ist unter den alten Sängern ihre damalige Begeisterung in genauer Erinnerung, selbst wenn sie – wie sie heute lächelnd berichten – einzeln die Tonleiter vorsingen mussten oder der Chorleiter zwei oder drei Mann zusammen eine Passage wiederholen ließ. Man lernte nur wenige Lieder – jährlich eines für die Liederfeste und wenig mehr als fünf für die örtlichen Aktivitäten. Sie wurden gründlich, manchmal pedantisch einstudiert.

Jahrzehntelang bildete die Weihnachtsfeier des Gesangvereins den kulturellen Höhepunkt in Nellingen. Noch im Jahre 1958 – dann allerdings zum letzten Mal in dieser Bedeutung – musste sie wegen des großen Besucherandrangs zweimal wiederholt werden. Da die Nellinger weder nach Esslingen noch gar nach Stuttgart abends ausgehen konnten und wollten, war es für die meisten auch das einzige kulturelle Ereignis des Jahres. Der Verein bereitete sich deshalb auch gut, oft schon von August ab, auf die Feier vor. Seit Beginn der Weihnachtsfeiern der „Eintracht“ im Jahre 1904 gab es Liedervorträge und eine Tombola. Nach der Trennung vom Turnverein 1921 kam, wohl von diesem angeregt, ein Theaterstück dazu, das bald den ganzen zweiten Teil des Abends ausfüllte. Im Jahre 1926 wurde beschlossen, langjährige Vereinsmitglieder zu ehren, und zwar auch auf der Weihnachtsfeier. In der Weihnachtsfeier 1932 hielt Bürgermeister Kirchner, der auch bei den vorhergehenden anwesend gewesen sein dürfte, eine vielbeachtete Rede, in der er eindringlich aufforderte, dass das deutsche Volk sich dessen bewusst sein möge, dass schwere Zeiten nur in geschlossener Einigkeit überwunden werden könnten. In der Weihnachtsfeier 1933 hat Bürgermeister Kirchner nicht mehr gesprochen, vielleicht als Folge der ungeheuren Denunziation des „nationalen“ Turnvereins Nellingen im Esslinger Tagblatt vom 28. 3. 1933 – vier Tage nach Hitlers „Ermächtigungsgesetz“ –, in der unterstellt wurde, dass der „marxistische Terror“ in Nellingen „unter dem Schutz unseres Bürgermeisters Kirchner geblüht“ habe. Kirchner überstand die Anschuldigungen, die ihn wie vielen seiner Kollegen das Amt hätte kosten können. Statt seiner hielt nun der Gauvorstand des Sängerbundes bei der Weihnachtsfeier eine Rede, die im Protokollbuch folgendermaßen zusammengefasst ist: „Der zur Feier erschienene Gauvorstand … hieß zunächst den Verein als Mitglied im Teck-Neckargau herzlich willkommen, gab dann seiner Freude Ausdruck über den wohlgelungenen Zusammenschluss der beiden hiesigen Verein und ging dann noch auf die Ereignisse im vergangenen Jahre ein. Wer hätte an den letzten Weihnachten vor Jahresfrist geglaubt, dass sich des deutschen Schicksal noch einmal zum Besten wenden würde? Diese Wende hätten wir aber nur einzig und allein unserem großen Führer und Volkskanzler Adolf Hitler zu verdanken. Er schloss seine Rede mit einem dreifachen ‚Sieg Heil‘ auf unser deutsches Vaterland und seine Führer.“

Es kam nicht von ungefähr, dass die Nazis als erstes gerade die Weihnachtsfeier gleichzuschalten versuchten. Bereits 1933 schrieb der Stützpunktleiter der NDSAP in Nellingen an die Verein: „Auf Anordnung der Gauleitung der N.S.D.A.P. habe ich Ihnen folgendes mitzuteilen, lt. Rundschreiben 45/33 vom 8. 12. 33. Die Erscheinungen der Vorjahre, die den Feiern oft das Ansehen eines ‚Bunten‘ oder ‚Deutschen Abend‘ gaben, sind RESTLOS AUSZUMERZEN.
Ebenso müsse Tanz und die Verlosung, Versteigerungen, Glückshafen oder gar Versteigerungen des Christbaums untersagt werden. Auch soll während der Abwicklung des Programms der Genuss von Alkohol auf das geringste Maß beschränkt werden.
Ausführliche Anweisungen für die Gestaltung von Weihnachtsfeiern finden Sie im N.S.-Kurier vom Mittwoch, den 6. 12., unter dem Sonderblatt ‚Deutsche Erziehung‘. Der Artikel heißt: Wie gestalten wir die Feiern zur ersten deutschen Weihnacht im neuen Reiche in würdiger Form. Geschrieben von Hermann Neffle, Fachberater für Laienspiel im N.S.-Lehrerbund.
Ich bitte Sie, hiervon Kenntnis zu nehmen u. Ihre Anordnungen bezügl. Weihnachtsfeiern entsprechend obiger Verfügung sofort zu ergänzen.“

Die Anordnung berührte den Gesangverein zunächst nur durch das Verbot einer Tombola, deren Gewinn aber nie so groß gewesen war, dass ihr Verbot zu einschneidenden Veränderungen gezwungen hätte. So nahm man das Schreiben des Stützpunktleiters gelassen auf und setzte es nicht einmal auf die Tagesordnung einer Ausschusssitzung.

Ein Jahr später verlangte dieser, dass ihm die Programme der Weihnachtsfeiern zur Genehmigung vorzulegen seien. Er legte den Nellinger Vereinen nahe, nur eine gemeinsame Weihnachtsfeier durchzuführen. Der Vereinsausschuss der „Eintracht“ zog es nach einer „lebhaften Aussprache“ vor, statt dessen einen „Bunten Abend“ am 23. Dezember zu veranstalten – ein Beschluss, der wenig parteikonform war. Im Jahre 1935 wurden die Weihnachtsfeiern auf den kirchlichen und familiären Rahmen beschränkt; 1937 wurden sie öffentlich wieder zugelassen, aber nur im Rahmen des „Winterhilfswerks“. Nachdem die Weihnachtsfeiern zu einer Partei- und Staatssache geworden waren, versuchte der Gesangverein nun einen neuen Weg: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte veranstaltete er am 2. Dez. 1935 ein Konzert. Zwei weitere Konzerte in den Jahren 1936 und 1937 sollten folgen. 1935 wurden die Steine für die musikalische Arbeit in der Nachkriegszeit gelegt.

Diese Entwicklung wurde unbeabsichtigt durch eine weitere Anordnung der nationalsozialistischen Regierung beschleunigt. Am 7. März 1934 schrieb das Arbeitsamt Esslingen an die Gesangvereine im Oberamtsbezirk: „Sämtlichen bisher nebenberuflich tätigen Dirigenten von Gesangsvereinen ist, wie auch Ihnen bekannt ist, auf Grund einer Verfügung des Kultministeriums auf den 28. 2. 1934 gekündigt worden, damit an ihrer Stelle für arbeitslose Berufsdirigenten Arbeit und Verdienstmöglichkeit geschaffen wird. Im Oberamtsbezirk Esslingen sind 4 arbeitslose oder nur teilweise beschäftigte Berufsdirigenten beim Arbeitsamt gemeldet, die für die Übernahme einer Dirigententätigkeit in Frage kommen. Die Erfahrungen, die ich bisher mit der Durchführung der von der Regierung beabsichtigten Ablösung der Nebenberufsdirigenten durch Berufsdirigenten gemacht habe, lassen erkennen, dass teilweise ein völlig unbegründetes Misstrauen gegenüber den Berufsdirigenten besteht, das sich dahin auswirkt, dass die Vereine grundsätzlich die Einstellung von Berufsdirigenten rundweg ablehnen und darauf beharren, die bisherigen Nebenberufsdirigenten zu behalten.“

Vierzehn Tage später mahnte das Arbeitsamt noch einmal an, die nebenberuflich tätigen Dirigenten durch Berufsdirigenten abzulösen. Der Dirigent der „Eintracht“, Adolf Biegert, von Beruf Hauptlehrer, trat auch zurück und wurde in einer Sängerversammlung feierlich verabschiedet. Jedoch trat an seine Stelle keiner der von Esslingen aus genannten arbeitslosen Dirigenten, sondern eigenartigerweise wieder ein Hauptlehrer, Albert Bohnet. Dieser musste aber in einem zentralen Fragebogen seine musikalische Vorbildung angeben: „Klavier, Orgel, Violine, Harmonielehre, Privatunterricht in Gesang, Teilnahme an verschiedenen musikpädagogischen Kursen an der Musikhochschule Stuttgart“. Er empfahl sich den Machthabern darüber hinaus durch seine honorarfreie Leitung der „Singgruppe der NS-Frauenschaft“. Gewiss wollte er auch in den unter seiner Leitung begonnenen jährlichen Konzerten seine Qualifikation unter Beweis stellen, obwohl es im Erlass gar nicht darum, sondern allein um eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme gegangen war. Auch nach Bohnets Ausscheiden plante der Verein Jahreskonzerte, die aber kriegsbedingt bis auf eine Feierstunde anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Gesangvereins „Eintracht“ im Jahre 1943 nicht mehr zustande kommen konnte.

Gemischter Chor

Die erste Hauptversammlung der „Eintracht“ nach dem 2. Weltkrieg bestimmte in ihrem ersten Beschluss, dass „in politischen Versammlungen oder Kundgebungen in Zukunft nicht mehr gesungen werden soll.“ Ein Jahr später bekräftigte der neue Vorstand Alfred Metzger, „dass er seine ganze Kraft einsetzen werde, um politische Tendenzen vom Verein fernzuhalten.“ Unpolitische Vereine sind heute eine Selbstverständlichkeit. Man erwartet vom Sportverein, dass er sich dem Sport, vom Gartenbauverein, dass er sich dem Gartenbau, vom Gesangverein schließlich, dass er sich dem Gesang und sonst nichts widmet. Doch ist der Chorgesang immer auch Ausdruck eines gemeinschaftlichen Willens. Worauf sollte sich nach dem Zusammenbruch der politischen Ideologien die neue Chorgemeinschaft gründen?

Die Antwort ist einfach, und doch führten viele Wege zu ihr hin und von ihr weg: Die Grundlage des Gesangvereins soll die Musik sein. Zunächst jedenfalls war es gar nicht so einfach, einen geeigneten Chorleiter zu finden. Viele waren politisch vorbelastet und von den Militärbehörden noch nicht wieder zugelassen, während Chorleiter, die nicht der NSDAP angehört hatten, sich vor Anfragen von Gesangvereinen nicht retten konnten. Nach monatelangem Suchen verpflichtete die „Eintracht“ 1946 den Hauptlehrer Fritz Holder, der den Verein mit großem Engagement, aber auf der alten Grundlage führte. Obwohl während seiner Leitung die Mitgliederzahlen sprunghaft stiegen – allein 1947 traten 21 neue Sänger ein –, wollte man doch nicht einfach wie 1944 – nur ohne Partei- und Staatsverpflichtungen – weitermachen. Mit Fritz Holder verabschiedete der Verein 1948 zugleich seinen bisher letzten Volksschullehrer als Dirigenten. Die Rolle des Lehrers in der Gemeinde begann sich zu ändern. Durch die explosionsartige Vergrößerung der dörflichen Gemeinden verlor sich sein bestimmender Einfluss, aus dessen Volksschule nun eine „Grund- und Hauptschule“ werden sollte. Zugleich wurde auch die Lehrerausbildung so spezialisiert, dass nur ein Teil der Lehrerschaft überhaupt noch ein Instrument spielen konnte. So kam es, dass seit 1948 mit kurzer Unterbrechung nur noch Berufsmusiker den Verein geleitet haben, davon 32 Jahre der Kirchenmusikdirektor Lorenz Lauterbach.

Für die Sängerinnen und Sänger der „Eintracht“ steht Lorenz Lauterbach noch heute im Zentrum ihrer Erinnerungen. Er hat den Verein musikalisch und zur Musik hin geprägt. Lorenz Lauterbach wurde nach einer Probesingstunde am 1. April 1948 von den Sängern einstimmig gewählt. In all seinen Dirigentenjahren hat er Achtung, Liebe, Ehrungen durch den Verein erfahren, obwohl und weil er ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte aufgeschlagen hat. Für die Sänger war zunächst alles an ihm fremd: Lauterbach war kein Hiesiger. In Trier aufgewachsen und ausgebildet, blieb er kriegsbedingt eher zufällig auf den Fildern hängen. Zudem trat den protestantisch geprägten Sängern ein praktizierender Katholik gegenüber, der obendrein noch Kirchenmusiker war – wo man schon zur eigenen Kirchengemeinde ein nicht immer spannungsfreies Verhältnis gehabt hatte. Doch die wichtigste Neuerung war, dass man sich mit den Ansprüchen eines umsichtigen Chorleiters, profunden Orgelspielers und originellen, volksnahen Komponisten konfrontiert sah. Lauterbach betrieb Musik um ihrer selbst willen. Aus der „Singstunde“ wurde die „Probe“, aus dem Gesangverein ein „Chor“. Der Verein konnte begeistert werden; schon beim Bundesliederfest 1949 in Ludwigsburg wurde der Chorvortrag überschwenglich gelobt.

Die Entwicklung ging nicht auf einen Schlag vonstatten. Auch nachdem Lorenz Lauterbach den Verein übernommen hatte, behielt man die traditionellen Veranstaltungen bei, allerdings – bis auf den Jahresausflug und die Weihnachtsfeier – nicht mehr so regelmäßig wie zuvor. Doch fast jährlich wurde nun ein Chorkonzert veranstaltet, das sich von Jahr zu Jahr durch zunehmend anspruchsvollere Chorliteratur auszeichnete. Als Höhepunkt können die Silcherfeier anlässlich des 100. Todestages des Komponisten des Männergesangvereins im Jahre 1960, das Festkonzert zum Jubiläum „125 Jahre Chorgesang in Nellingen“ im Jahre 1963, in dem ausschließlich Werke großer Komponisten zu Gehör kamen, und das Operettenkonzert 1976 gelten.

Lorenz Lauterbach knüpfte zunächst an die Tradition des Wertungssingens an, die der Verein auch stets erfolgreich meisterte. Nur begnügte er sich nicht mehr mit „gehobenem Volksgesang“, der eigentlichen Gattung eines dörflich geprägten Vereins. Beim Gauliederfest in Kirchheim 1954, einem der letzten mit Wertungssingen, beteiligten sich 93 Sänger aus Nellingen mit dem Chor „Ruhe, schönstes Glück der Erde“ von Franz Schubert, der in die Stufe „Sehr schwieriger Chorgesang“ eingruppiert wurde. Die „Eintracht Nellingen“ erhielt für ihren Vortrag die Note „Mit Auszeichnung“.

Als bekannter Kirchenmusiker und Dirigent verschiedener Vereine hatte Lauterbach auch die Möglichkeit, „über die Kirchturmspitze hinauszuschauen“. Er erkannte bald die Bedeutung der modernen Massenmedien. Schon im März 1950 nahm der Rundfunk vom Verein gesungene Lieder auf. Das Protokollbuch berichtet von dem Ereignis: „Am 18. 3. abends fuhren die Sänger, 102 an der Zahl, mit 3 Omnibussen nach Untertürkheim in die alte Krone zu einer Bandaufnahme für (den) Süddeutschen Rundfunk, welche am Sonntag, dem 26. 3., übertragen wurde. Für die Sänger war es mal ein Erlebnis, seinen Chor mal selbst zu hören, zumal der Aufnahmeleiter uns einige Lieder sofort mal vorspielen ließ. Zum Vortrag kamen 9 Lieder, die der Chor aufs Beste beherrschte, und unter der vorzüglichen Leitung von Herrn Lauterbach auch gut aufs Band kamen. Dass die Sendung in der Stunde des Chorgesangs wirklich auch Anklang gefunden hat, zeigte die große Anzahl begeisterter Zuschriften, die uns nachher zugesandt wurden. Dieses Radio-Singen war für unseren Verein ein ganzer Erfolg.“

Mindestens elfmal hat der Chor im Rundfunk gesungen, das letzte Mal zum 20-jährigen Dirigentenjubiläum Lauterbachs in Nellingen im Jahre 1968. Dann aber entwickelten sich Chor und Rundfunk gewissermaßen auseinander. Bis Ende der sechziger Jahre hat Lorenz Lauterbach die musikalische Qualität des Chores gehoben, ohne eigentlich das Liedgut anzutasten. Für den Rundfunk waren die musikalisch perfekt dargebotenen volkstümlichen Gesänge, insbesondere von Silcher, eine willkommene Gelegenheit, ein gemeinsames Band in dem nicht zuletzt durch die Flüchtlingsströme vor großen Integrationsaufgaben gestellten Land zu knüpfen. Für den nach zwanzig Jahren geschulten Chor wiederum wurde die Liedauswahl zu eng. Man traute sich – mit Recht – nun an schwierigere Literatur heran. Zu den Einweihungsfeierlichkeiten der Nellinger Stadthalle – sie wird nun für fast zwanzig Jahre zum Proben- und Konzertort des Vereins – bot die „Eintracht“ ein „Opern- und Operettenkonzert“. Der neue Anspruch wurde schon durch die Verpflichtung des Schwäbischen Symphonie-Orchesters Reutlingen und zweier Berufssänger deutlich. Das Konzert wurde auch zum Erfolg, nur: der Rundfunk zeigte kein Interesse an der Aufzeichnung, denn für solches Programm stehen ihm ja Berufschöre und -orchester zur Verfügung.

Obwohl der Verein gern im Rundfunk sang und auf die Ergebnisse stolz war, wurde doch auch bald die Konkurrenz deutlich, die aus den Massenmedien erwachsen war. Kultur aus aller Welt kam mit ihnen nicht nur ins Dorf, sondern sogar in jedes einzelne Haus. Warum sollte man dann in ein Konzert des Gesangvereins gehen oder gar ihm selbst beitreten? Dazu kam, dass man sich mit zunehmender Automobilisierung seinen Freundeskreis auch außerhalb des Ortes suchen konnte. Zumal die Neu-Nellinger, bald in der Überzahl, sahen keinen Grund, sich mit dem alten Dorf und seinem Leben zu identifizieren. Nellingen geriet in Gefahr, ein reiner Trabantenort im Stuttgarter Ballungsgebiet zu werden. Der Zeitpunkt, von dem ab die Sozialstruktur des Ortes sich gegen den Gesangverein richtete, lässt sich recht genau ausmachen: Er lag Anfang Februar 1958.

Bis dahin hatte der Verein einen seit dem Krieg ungebrochenen Aufschwung an Mitgliedern und musikalischer Qualität. Der Höhepunkt des Dorfvereins war die dreimalige Wiederholung der Winterunterhaltung, in dessen zweitem Teil das Märchensingspiel „Schneewittchen“ aufgeführt wurde, das Lorenz Lauterbach eigens für den Verein komponiert hatte. Einerseits war das Stück ganz „up to date“: Es wurde sogar die gerade erst auf dem Markte eingeführte Hammondorgel, dem Urmodell des heutigen Synthesizers, eingesetzt. Eine Stuttgarter Firma hatte sie leihweise zur Verfügung gestellt. Andererseits stand das Singspiel fest im Ort. Alle Darsteller waren ortsansässig. Jung und alt waren im Spiel vereint: Hauptdarsteller waren 23 Kinder, der Chor kommentierte von einer Galerie herab. Auch die letzte Veranstaltung am 19. Januar 1958 fand vor ausverkauftem Saal statt.

Wie einen Keulenschlag mussten die aktiven und passiven Vereinsmitglieder nach diesem Erfolg den Beginn der fünf Wochen später stattfindenden Hauptversammlung empfinden. „Als Einleitung seines Berichtes setzte sich der Vorstand Alfred Metzger mit den kulturhemmenden Zuständen unserer Zeit auseinander. Als kulturhemmend bezeichnete er das kollektive Denken der Menschen, den Materialismus unserer Zeit, der die Menschen vom idealen Denken ablenkt. Durch die Technisierung gehe dem Menschen der Zusammenhang zum Ganzen verloren. Auch Überbeschäftigung, was eine Überanstrengung mit sich bringt, sind kulturhemmende Zustände, weil der abgespannte und müde Mensch nur noch für leichte Unterhaltung zugänglich ist. All diese Zustände und Momente bringen es mit sich, dass die Humanität in unserer schnellen und bewegten Zeit nicht mehr so groß geschrieben wird. Als kulturfördernd wäre anzustreben, vom kollektiven zum individuellen Denken zu kommen. Dadurch würden die verantwortlichen Gremien von der Masse her beeinflusst und nicht umgekehrt. Ferner sollte die pessimistische Weltanschauung aufgegeben werden und an seine Stelle die optimistische Weltanschauung gesetzt werden, was ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis schaffen würde und für alle nur fruchtbar und segensreich sich auswirken würde.“

Es ist das erste Mal, dass das Protokollbuch der „Eintracht“ eine so grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Zeiterscheinungen und den Zielen des Gesangvereins wiedergibt. Es ist das Verdienst des 27 Jahre lang tätigen Schriftführers Ernst Kenner, der sich nicht nur als Chronist von Vereinsereignissen begriff, sondern auch die Hintergründe der Ereignisse zu ergründen suchte. Wenn man auch heute manche Ursachen der Entwicklung anders sehen mag, unbestritten ist, dass Alfred Metzger schon sehr frühzeitig die Gefahren erkannte, die dem Verein drohten. Dieser Scharfsichtigkeit ist mit zu verdanken, dass die „Eintracht“ weniger als andere vergleichbare Vereine in den sechziger und siebziger Jahren gebeutelt wurde.

Eigenartigerweise zeigten sich die Krisenerscheinungen dort, wo der Verein seinen größten Erfolg zu verzeichnen hatte: im Theaterspiel bei der Winterunterhaltung. Anlässlich einer Ausschusssitzung notierte der Chronist zu diesem Thema: „Leider schleicht sich auch jetzt in unsere Reihen der Zeitgeist ein, der darin besteht, Bequemlichkeit, Streben nach materiellen Dingen, Mangel an Opfersinn und Gemeinschaftsgeist. Der Zusammenhalt und das Fortbestehen des Vereins überhaupt hängt nur noch von einigen wenigen Unverzagten ab, die aber auch die ganze Last und Sorge tragen müssen. Schuld an diesen unerfreulichen Aspekten sind wohl mit der äußerliche Wohlstand der breiten Masse, das Streben nach Geld und Gut, vielleicht die Sättigung an leiblichen und geistigen Genüssen in Form von Radio und Fernsehen.“ (23. 9. 1960)

Nicht nur in Nellingen wurden einige Wege versucht, aus der Krise, die fast nirgendwo hausgemacht war, wieder herauszufinden. Es gab Stimmen, die die rückläufige Entwicklung in dem anspruchsvollen musikalischen Stil des Chorleiters Lorenz Lauterbach sehen wollten. Einige ältere Sänger, die die Einstudierung etwa von geselligen Weinliedern vermissten, ließen sich aber davon überzeugen, dass man nicht mehr zum alten „Schlendrian“ zurückwolle. Es leuchtet ein, dass die „Eintracht“ nicht hinter ihre Entwicklung nach dem Krieg zurückgehen wollte. Neben allen anderen Risiken hätte dieser Schritt vor allem wohl den Bruch mit dem bewährten Dirigenten bedeutet. Der aber ließ sich durch die aufgebrochene Unruhe nicht beirren. Unter seiner Leitung bereitete der Verein das Jubiläum 1963 vor, das bei allen Beteiligten die schönsten Erinnerungen wachruft.

Interessanterweise ist die Entwicklung in der 1956 entstandenen Parksiedlung, die einen Ortsteil von Nellingen bildet, anders verlaufen. Alle Versuche der „Eintracht“, in der Siedlung Fuß zu fassen, um die Menschen aus ihrer anfänglichen Isolierung zu holen und auch dort kulturelle Tradition zu schaffen, scheiterten. Im Jahre 1963 hielt die „Eintracht“ sogar ein Chorkonzert in der Parksiedlung ab. „Das Konzert wurde durch Handzettel und Plakate mehr als normal bekannt gemacht. Leider wurden unsere Bemühungen, eine Brücke zwischen Alt- und Neu-Nellingen zu schlagen, nicht belohnt. Die Einwohner der Parksiedlung fühlten sich nicht angesprochen, und so war der Besuch mehr als mäßig. Zum Glück haben uns die Sängerfrauen unterstützt, so dass wir nicht vor halbleerem Raum zu singen brauchten. Die wenigen, die gekommen sind, waren um so aufgeschlossenere Zuhörer und waren mit dem Gebotenen auch mehr als zufrieden. Schade, dass dieser Versuch misslungen ist.“

Auf diesem Hintergrund weiß man den Mut des engagierten Lehrers Karlheinz Dürr und des späteren zum Vorstand gewählten Sängers Kurt Zimmer zu würdigen, im Jahre 1968, mitten in der Krise des Gesangvereinswesens, einen neuen Gesangverein zu gründen, den „Liederkranz Nellingen-Parksiedlung“. Bemerkenswert ist, dass der neue Verein an die Tradition der Lehrerdirigenten anknüpfte und sich auch sonst an den alten Gesangvereinen orientierte. Im Jahre 1971 feierte der „Liederkranz“ seine Fahnenweihe mit einem großen Festzug durch die Siedlung. Wie erfolgreich das Anknüpfen an die alten Traditionen in der noch traditionslosen Siedlung war, zeigt sich daran, dass der Verein schon im Jahre 1972 über eine Sängerzahl von 70 Aktiven verfügte. Zwischen „Eintracht“ und „Liederkranz“ entstand keine Konkurrenz. Die Parksiedlung schaffte sich ihren eigenen Charakter und entwickelte sich eher zu einem selbstständigen Glied der 1975 neugeschaffenen Stadt Ostfildern, als dass sich besondere Beziehungen zur Nellinger Gemeinde, der sie heute noch formal angehört, hergestellt hätten.

Ein anderer Weg aus der Krise wurde vielerorts dadurch versucht, dass man aus dem Verein einen kleinen Chor der aktivsten, stimmlich befähigsten und musikalisch ausgebildetsten Sänger bildete. Man hoffte, dass ein Auswahlchor, der möglichst auch überregional Beachtung finden sollte, die Attraktivität des ganzen Vereins heben und den Nachwuchsmangel mindern, wenn nicht gar beseitigen könnte. Diesen Weg versuchte in der „Eintracht“ der Sänger und spätere Vizedirigent Rolf Trautwein. Er gründete einen „Kleinen Chor“ im Verein, der sich vor allem aus jüngeren Sängern rekrutierte, und trat mit ihm einige Male innerhalb von Vereinsfeiern auf. Doch schon ein Jahr nach Gründung des „Kleinen Chores“ führten persönliche Gründe zur Trennung des Vereins von Rolf Trautwein, die dann auch den Versuch des Auswahlchores beendete. Es ist auch schwer vorstellbar, dass sich auf Dauer eine Konzeption bewährt hätte, unter dem Dach eines Vereins einen „attraktiven“ kleinen Chor und zugleich einen „Massenchor“ der gleichen Gattung, nämlich Männerchöre, und mit ähnlicher Literatur zu beherbergen. Der Eifersucht und dem Misstrauen der Sänger untereinander wären Tür und Tor geöffnet gewesen.

Mitte der siebziger Jahre kamen einige Gesangvereine zusammen mit Werbeagenturen auf die Idee, neue Mitglieder mit einer dynamisch-aggressiven Werbung zu gewinnen. Wenige Wochen nach Übernahme der Dirigententätigkeit in der „Eintracht“ setzte der Nachfolger von Lorenz Lauterbach folgende Anzeige im Ostfilderner Mitteilungsblatt durch: „Sie wissen, welch glücklicher Zufall es ermöglichte, dass es der EINTRACHT gelang, seit 1. 4. 1980 diesen Herrn als Chorleiter zu engagieren. GEORG LÖGL ist einer der stimmgewaltigsten Richard-Wagner-Urkraft-Heldentenöre unserer Zeit (München, Mailand, Paris, London, Bayreuth, Stuttgart …).
Sein Hobby ist unser Hobby:
Chorgesang weit über das übliche Standardkönnen hinaus zu kultivieren. (Was Kammersänger Georg Lögl mit der inzwischen berühmt gewordenen EINTRACHT Unterboihingen in relativ sehr kurzer Zeit bewerkstelligte, darf als bekannt vorausgesetzt werden.)
Wir haben gemeinsam das Ziel 1980 projektiert: Die NEUE NELLINGER EINTRACHT wird über ihren eigenen Schatten springen und einen uns alle gleichermaßen begeisternden Leistungs-Standard erreichen.
Unser neuer Chorleiter wird uns mit seinem Können und seiner ungewöhnlichen Begabung ganz ohne Zweifel rasch und mit unkonventionellen Methoden in die Höhe reißen. Wir suchen Sängerinnen und Sänger mit und ohne Vorbildung, egal welchen Alters. Aber mit Begeisterungsfähigkeit.“

Der standardisierte Text zielt auf Vorurteile in der Bevölkerung gegenüber Gesangvereine ganz allgemein. Doch in Nellingen lag das Nachwuchsproblem weder in fehlendem „kultiviertem Chorgesang“ noch in einer unterstellten konventionellen Methodik des Chorleiters. Viele neue Chorleiter in der jüngsten Vergangenheit versuchten, mit „Hoppla, jetzt komme ich“ gewachsene Strukturen in den Vereinen zu überspringen, ohne doch selbst etwas wirklich Neues bieten zu können.

Neues entwickelt sich nur aus dem Verein selbst. Dass es manchmal längere Zeit zur Verwirklichung braucht, muss nicht zum Schaden der Sache sein. So bedurfte es auch für die wichtigste und haltbarste Änderung im Verein der Nachkriegszeit eines längeren Prozesses. In den Kriegsjahren beider Weltkriege bildete die „Eintracht“ gemischte Chöre. Da viele Sänger eingezogen waren, konnte man nicht mehr vierstimmig singen. Der gemischte Chor wurde aber nur als Provisorium eingerichtet. In besseren Zeiten blieben die Männer dann wieder unter sich. Doch unter den Sängerinnen wurde der Wunsch immer stärker, regelmäßig im Verein mitsingen zu können. Auf Wunsch von Lorenz Lauterbach wurden im Jubiläumskonzert 1963 einige gemischte Chorsätze aufgeführt. Die Enttäuschung unter den Frauen war groß, dass die Sänger nach dem Jubiläum noch immer nicht bereit waren, die Sängerinnen in ihren Reihen aufzunehmen. Lauterbach warb für einen gemischten Chor nicht nur aus musikalischen Gründen. Er erwartete mit den vielen interessierten jungen Sängerinnen eine entscheidende Verbesserung der Altersstruktur im Verein. Doch es gingen weitere fünf Jahre ins Land. Erst bei den Nellinger Jubiläumstagen im Juli 1968 – man feierte „20 Jahre Lorenz Lauterbach Chorleiter der Eintracht“ zusammen mit „75 Jahre Turnen und Sport in Nellingen“– sollten die Frauen als Sängerinnen wieder auftreten. Aber noch jetzt bedurfte es einiger Überzeugungskraft des Vorstands und des Chorleiters. „Die Anregung von Vorstand Wilhelm Hartmann, den Frauenchor (in Zukunft) beizubehalten, da er befürchtrchte, dass sich die Frauen ein drittes Mal nicht wieder bereitfinden würden, in die Bresche zu springen. Dieser Vorschlag fand (im Ausschuss) zunächst verhaltene Zustimmung und auch Ablehnung. Alle Ausschussmitglieder waren sich einig, dass wir auf keinen Fall ein Gemischter Chor werden dürfen, da wir wohl dadurch einige Sänger verlieren würden und der Männerchor auch in seiner Leistungsfähigkeit darunter leiden würde. Ein Frauenchor mit separater Singstunde wäre eher denkbar.“ (Ausschusssitzung am 27. 4. 1968)
„Ein gemischter Chor wurde zum jetzigen Zeitpunkt, da der Männerchor noch mit ca. 70 Sängern in der Singstunde vertreten ist, abgelehnt.“ (Sängerversammlung am 19. 9. 1968)
„… dagegen meldete Bedenken an, nach seiner Meinung sei der Frauenchor eine Gefahr für die biederen Männer des Chores, er fand jedoch nicht den Beifall der Anwesenden.“ (Hauptversammlung am 22. 2. 1969)

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem ersten gemischten Chor der „Eintracht“ sind seit 1969 Frauen im Verein organisiert. Seitdem hat der Verein drei verschiedene Chorformationen: den ursprünglichen Männerchor und den neuen Frauenchor, die sich für einen Teil der Proben zu einem gemischten Chor zusammenfinden. Während bei der Gründung des Frauenchors der Männerchor deutlich größer war, sind seit 1979 die beiden Chöre etwa gleich stark.

Ohne ein Verein im Verein sein zu wollen, bildete der Frauenchor doch in den knapp zwanzig Jahren seines Bestehens eigene Traditionen. Zu diesen gehört der seit 1976 jährlich durchgeführte Ausflug ohne männliche Beteiligung. Auch bei den Männern waren die Sängerausflüge stets ein geselliger Höhepunkt im Vereinsjahr. Schon den ersten Ausflug im Jahre 1906 empfanden die Sänger als Markstein ihrer Vereinsgeschichte, auch wenn die 73 Teilnehmer der Fahrt nach Hohenzollern schon um 4 Uhr morgens auf dem Bahnsteig in Unterboihingen stehen mussten. Auch mehrtägige Vereinsausflüge wurden durchgeführt, zum ersten Mal an Pfingsten 1936 nach Oberbayern. Im Jahre 1955 führte ein zweitägiger Ausflug nach Innsbruck, zwei Jahre später besuchte man drei Tage lang die Sängerfreunde in Irlich am Rhein. Die sich später entwickelnde Freundschaft zur Schubert-Stadt Hohenems führte den Verein 1985 zwei Tage lang nach Österreich.